Die sozialen Medien

Höllenfahrt oder Himmelsleiter? 

Reinhardt O. Hahn


Das Thema ist noch neu und bedarf, wie alle großen Erfindungen, einer langen, streitbaren Behandlung in der Philosophie. Sie, die sozialen Medien über den Selbstwert zu definieren, das überrascht und regt an. Schon lange hätte mehr darüber gesagt werden können, wie hier vom Autor aus der bedeutsamen Sicht der klassischen und gegenwärtigen Philosophie getan. Es stellt sich immer stärker auch die Frage: Was machen die sozialen Medien mit unserer sinnlichen Wahrnehmung, der menschlichen Ästhetik schlechthin, und, wie verändern sie uns? Das beginnt schon beim Lesen von Texten, ob es das Buch oder der Monitor, vielleicht sogar das Smartphone ist. Bilder und Texte dieser Wahrnehmung werden zum Beispiel in unterschiedlichen Gehirnregionen abgelegt und „gespeichert“

So wie ein Fischer im Sternbild sein Netz auswirft, um vielleicht ferne Planeten und Sonnen zu fangen, so sind unsere Gedanken seit 2.500 Jahren im Kosmischen unterwegs gewesen, dabei die Erde vergessend, die unter uns sich drehend den Ort anbietet, um in der Ferne die Galaxien beobachten zu dürfen, damit wir dem Verstand noch mehr Schlüsse und Weisheit entnehmen können. Das wahrhaftig Große, das analoge Gleichnis zu uns selbst ist: Wir haben uns im Universum noch kein zweites Mal gefunden. Wir können uns aber digital reproduzieren. Jeder Film, jedes Computerspiel kann das, was die Menschheit über Jahrtausende das Märchen nannte. Der Fluch und das Glück der Wünsche, darum auch die Überschrift meiner kleinen Kolumne: Soziale Medien - Höllenfahrt oder Himmelsleiter? Wir haben versucht, durch Erfahrungen, unserem Leben aus der Quantität der Historie eine neue Qualität für die Zukunft mitzugeben. Daraus ist heute eine geordnete unendliche Winzigkeit geworden, die wir auf „Festplatten“ ablegen können, so wie unsere Vorfahren den Anker vor dem Festland ins Wasser geworfen haben, um einen Platz für zukünftige Entdeckungen auf weißen Landkarten zu finden.

Heute sind Teleskope und Flugsonden in der Unermesslichkeit der Weite des Universums für uns Menschen unterwegs. Ebenso ist aber auch in der Nähe unseres Seins die Unendlichkeit verborgen. Eine neue Qualität bietet uns das digitale Medium an, das uns erstaunen lässt. Eine neue Welt, sie ist im Mikrokosmos verborgen. Dort ist auch alles audio-virtuell abbildbar und kann unendlich geteilt werden. Es ähnelt dem Gehirn und kann immer abgerufen werden, anders als der Körper, der träge und massig uns erdet und uns nur einmal seine Kraft geben kann, die ständig über den Generationswechsel erneuert werden muss.

Hier macht die Philosophie uns Vorschläge, wie und wodurch eine Weltgesellschaft verknüpft sein müsste, damit durch die Medien soziale Bande uns im Innersten zusammenhalten.

Eine neue Gesellschaftsordnung muss her, eine Weltgesellschaft, deren Zentrum das digitale Medium sein wird. Ein furchterregender, unmöglicher Gedanke, besonders für die Deutschen, die den Datenschutz der Person sogar über eine Leiche stellen. Es klingt profan, im Innersten hielten uns Luft, Wasser, Erde, und Feuer zusammen und die Vorräte, auf die wir gesessen haben. Den flüchtigen Besitz haben wir zum Eigentum erklärt, um besser als andere oder perfekt damit wirtschaften und überleben zu können. Aber, es gibt viele materielle Dinge, die nicht teilbar sind, die aber jeder besitzen will oder haben muss. 

Heute stehen wir vor einer Zukunft, in der wir teilen lernen müssen, auch die Not oder den Kampf gegen Krankheiten. Die Vorstellung darüber geht bis zum Stillstand der gesamten Gesellschaft. Gäbe es nicht die fraktale Reproduktion im Internet, von der sich jeder digital nehmen kann, so viel er braucht oder was seine Festplatte hergibt, ohne die Gefahr, das Gehirn zu überlasten. Jeder kann jetzt teilen, ohne etwas haben oder es besitzen zu müssen. Junge Leute kommen damit schon gut aus und zurecht. Ihre Welt ist schon eine andere, als die der Männer und Frauen, die vor 1975 geboren wurden. Die Alten, die wollen die Ordnung, den Staat, damit er sich der Medien und besonders der sozialen Medien annimmt, um sie zu kontrollieren. Argumente dafür liefert das Internet selbst, jeden Tag und Nacht und millionenfach. Die neue und wertvollste Ware sind heute die Informationen und die Kommunikation. Hier die Sicherheit, für Kraftwerke und Verkehrseinrichtungen zu Beispiel, dort die „social Media“ und Wikipedia, die endlose Räume des menschlichen Geistes aufschließen. 

Ich, als medienaffiner Typ, fast ein arkanidischer Nert, bin überzeugt davon, es ist nicht die Quantität, die unser Verlangen nach einer sicheren Zukunft unstillbar und unhaltbar erweitern wird, sondern es ist die qualitativ verbesserte Wahrnehmung der Welt. Deren Sinn besteht darin, sich die Frage zu stellen: Wie können wir die Erde so erhalten, dass sie uns nicht abschüttelt oder sich von uns abwendet? Es geht um das Einmalige, eben um das menschliche Glück, sich im Dasein der Welt mit befinden zu dürfen. Schaut in die Augen der Kinder, sage ich nur. Das verpflichtet die Menschen, sich mit der Welt zu arrangieren, die nur in den Köpfen besteht. Es ist eine doppelt starke Herausforderung oder Aufgabe, außerordentlich achtsam und pfleglich mit der Erde so umzugehen, wie mit uns selbst, denn beide sind das Material und der Maßstab für die Gedeihlichkeit aller oder unseren Untergang. Das, worauf wir stehen, ist das, von dem wir nicht wegkommen. Wir können die Teilung der Erkenntnisse über uns selbst bis ins Unermessliche betreiben, weil die Fantasie keine Grenzen hat, denn alles in den sozialen Medien ist fiktiv, und trotzdem ist es da, weil der Monitor ein Angebot für die Ästhetik des Menschen ist. Das Auge sieht mit. Das Ohr hört zu. Der Finger tastet ab. Die Nase kann den Kurzschluss und das Ende des PCs riechen und man weiß, mit Diamanten besetzte Smartphones werden von den Besitzern sogar geküsst. Man kann behaupten, das Digitale ist beliebt und so scheint es, unverzichtbar. Das Digitale ist auch das Kleinste und Tollste, was die Menschheit je erschaffen hat. Es richtet in der Teilung der Informationen scheinbar keinen Schaden an. Es ist unsichtbar und doch zu sehen. Es besteht aus elektronischen Impulsen und liefert uns milliardenfach Daten für das Denken. Mit diesen Informationen können wir uns die Welt in der Welt vorstellen und erbauen. Ein nahezu galaktisches Theater ist das wohl endgültig Neue für den Verstand! Die Masse, die unseren Leib an den Planeten anbindet, ist der Gegner der Energie, die ständig verbraucht, uns aber auch befreit. Freiheit, auch eingeschränkt durch den Ortswechsel, ist kein transitives Problem mehr, sondern die Schwelle, die es zu überspringen gilt, um das Land der Fiktionen bereisen zu dürfen. Das, was der Grieche Aristophanes vor fast 2.500 Jahren als großer Dichter im Theater auf die Bühne brachte, war eine Ungeheuerlichkeit, die den Menschen das Leben als Spiel nahe brachte. Aristophanes erzählte wahrhaftige Komödien, die mit ihrer Heldenkraft den Sieg errangen, aber er führte auch Dramen auf, in denen der epische Held sein Leben in fünf Akten aushauchte, weil die Wahrheit gegen jedes Mitleid siegen musste. Die Wahrheit ist oft nicht das gute Ende. Beide, die Komödie und das Drama, sie erhalten durch die Poesie die größte Kraft für die Belebung des Verstandes und dadurch war die Poesie schon immer im Recht, da sie von Dichtern verwaltet wurde und wird und das Kognitive zum Erlebnis erhebt, das uns in die epische Heiterkeit und seelische Gelassenheit trägt. Das Leben ist ein großes Märchen und am Ende steht der Tod – zum Glück für die anderen oder die, die übrig bleiben und noch nicht gestorben sind.

Heute, man mag es mir verzeihen, heute ist das Digitale die Poesie in den Köpfen, denn es schöpft und schafft einen neuen Kosmos, den wir auch universelles Märchen nennen dürfen. Wir können über das Spiel der Elektronen das Leben neu begreifen. Es wird uns „scheinbar“ ewig und dauerhaft gestalten, und begleiten ohne die Not des Realen. Die neue Ästhetik, also die sinnliche Wahrnehmung, wird sich verändern. Sie hat einen sechsten Sinn erhalten. Das lebhafte Denken. Es ist das Genießen ohne zu „leiben“.

Was uns Lesern und Freunden der Philosophie der Schriftsteller Johannes Driendl in 14 Bänden vorführt und anbietet, ist der Weg des menschlichen Verstandes in 2.500 Jahren, der durch die sozialen Unbilden, die geistigen Unwetter und die totalen Ausfälle des menschlichen Verstandes über die Jahrtausende führt. Die Philosophen sind vielleicht die wahren Dichter, die mit ihren Visionen, die der Volksmund weiter trägt, die Welt verändern und damit die Revolutionen, neuen Königreiche oder auch Demokratien begründeten. Ja, das bessere Leben ist das, was alle wollen, ob es Heine, Schiller oder Hobbes und Marx sagten. Es kommt bei allen Tätigkeiten, bei den Wünschen und auch in den großen Geschichten und Märchen so vor. Da wird berichtet über Sehnsüchte, über die Liebe, über berechtigte Hoffnungen, über bessere Länder und einem neuen Leben. Es ist die Ferne und das Andere, was die Visionen in uns anstachelt und entwickelt und dem Verstand zuruft, das änderst du oder sonst hältst du das Leben in dir nicht mehr aus und du stirbst, ohne je frei gewesen zu sein.

Es ist der Kampf, der gegen menschliche Beziehungen geführt wird, gegen die Bevormundung, die Entfremdung und auch gegen die totale Kontrolle. Aber, wir stehen vor einer neuen Schwelle, die es zu überwinden gilt. Sie ist der Klimatod der Menschheit. 

Wir konnten bisher alles selbst, weil wir uns anpassende Menschen geworden sind. Wir spüren es nicht nur, wir sehen es jeden Tag. Es geht um alles, um das Leben selbst. Wie Süchtige, die die Gnade der Abstinenz erfahren haben und diese als ihre neue Lebensqualität begreifen müssen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, die Leute zu Menschen macht, die sich entehrt und entwürdigt fühlen, findet auch ganz allein in ihnen selbst statt. In der Wüste braucht man nur noch Wasser, doch die Wüste lebt und sie ist – ein schreckliches Wort – sie ist schön und sie ist besser als der Tod.

Die Rufe nach der Gerechtigkeit werden heute immer lauter und man erinnert sich: Da gibt es eine bessere und vielleicht auch schönere Welt. Diese Welt liegt nicht in der Ferne, sie ist in uns selbst. Wir ermächtigen uns selbst, unterhalb der gigantischen Eisspitzen der Alpen, mit grünen Elefanten und roten Einhörnern zu gehen und zu sprechen. Wir können das, weil wir Menschen sind und uns das vorstellen können. Während andere noch glauben, da draußen, das sind die Reisen, die gekauften Gefahren, die Schiffe und die Strände und die Pkws und so albern es klingt, alles zusammen nennen sie, im Konsum eingepresst, die große Freiheit. Sie fehlt angeblich deshalb, weil man nicht alles besitzen kann und weil man nicht alles sehen darf. Doch das ist nicht wahr, weil unser Joch das eigene Leben ist, so wie unsere Atmung und das Schlagen des Herzens.

Die leibhaftige, wirkliche Diktatur, das ist unser Körper, der alles unter den vermeintlich Gleichen noch gleicher macht und dem man entrinnen möchte, Er sollte nicht als Joch oder Last empfunden werden, das wünschen wir uns darum, den Jugendwahn und die Lust an ihm. Darum soll er abgeworfen werden und so bahnt man sich einen neuen Weg zu einer immer neuen Gesellschaft und öffnet ihr die Tür hinter der man Räume vermutet, die größer und freier sind. Aber, Freiheit gibt es nur im Verstand und nicht im Leib. Darum ist es gut, das Behältnis in dem wir wohnen zu ehren und seine Schlösser zu hüten und zu pflegen. Nur im Leib ist das Leben zu Hause. Heute sind wir am Anbeginn einer Revolution, von der ich zu sagen wage, es wird die Revolution nach innen sein. Eine ungeheuerliche Vorstellung. Sie bedient sich einer Kantschen Maxime, die auffordert, sich der neuen Innerlichkeit zu bedienen. Das bedeutet, absolut neue Einsichten durchzusetzen und zu bestärken, sonst wendet sich die Erde und somit die Welt von allem und von uns ab. Was sind wir uns wert, um uns abfinden zu können mit dem einmaligen Leben?

Darum fressen unsere Kinder heute die alten Revolutionen. Anders als jede frühere Revolution kommt die neue aber nicht von UNTEN, vom geläuterten Volk, sondern von der Katharsis der Jungen, die mit schreckgeweiteten Blick in die Zukunft schauen, die Hilfe suchen und die unterstützt werden möchten von „denen“ da OBEN, die bisher der natürliche Gegner für die da UNTEN waren. Sie werden eins, sie sind schon eins, denn wir sitzen alle im selben Boot und werfen von dort unsere Netze ins Universum aus. Wir fangen keine Nahrung mehr, sondern Informationen ein und nehmen sie geistig in Besitz. Alle anderen Dinge sonst, von denen haben wir genug. Satt, warm, sicher und genug zu tun, das haben wir auch. Darüber sind vielleicht mehr als eine Million Jahre vergangen. Eine unglaubliche Leistung. 

Die kommende Revolution, die ihren Schrecken, den sie jetzt schon verbreitet, wird alles und sogar auch die Wahrnehmung verändern und sie wird den Charakter einer totalen Reformation annehmen. Sie wird an Haupt und Gliedern alles neu erschaffen, jedes Denken, alles Verhalten und sämtliche Werte „wieder“ neu gebären und sie vom Kopf auf die Füße stellen. Es ist ein schmerzhafter Vorgang, der dem Leib und dem Selbstwert dient. Der orientierende Staat wird den Selbstwert zu seinem Eigenbild und uns alle gleich machen wollen, denn er wird die ökologische Heimat verwalten, die uns umgibt, und es wird vor allem der Geist sein, der den Selbstwert des Individuums erhöht und seine zweite Haut schützen muss – die Natur. Ihre Umgebung und ihr Dasein werden künftige Generationen neu erobern und verstehen. Es wird nicht mehr der Gipfel des höchsten Berges sein, den man scheinbar erklettern muss, man wird nicht mehr bis in tiefste Tiefen tauchen oder an Seilen gebunden von Brücken springen oder wie Ikarus hoch in Gewitterstürme fliegen. Leben in der zweiten Haut hat keine Umwelt mehr anzubieten, die scheinbar nur dazu dient, sich mit Adrenalin vollzustopfen. Das kann zwar die Welt anbieten, aber die Erde wird es verhindern durch ihre menschengemachte Veränderung. Der Erde dienen zu dürfen, ohne Kult, so pathetisch es klingt, um in sich selbst ein gutes Zuhause zu haben, das ist ein Privileg. Schöpfung ist nicht Leid vom ersten bis zum letzten Atemzug. Sie ist eine Gnade für uns Menschen, die wir dankbar und demütig genießen lernen. Unsere Schöpfung ist eine Laune der Natur. Sie als Abenteuer zu begreifen und die Lust am Leib zu zähmen, damit das Denken die Unendlichkeit weiter entdecken darf, das ist ein großartiger Inhalt. Weil die Frage nach dem Lebenssinn immer wieder gestellt wird, muss man sie bejahen. Ohne Fremdbestimmung und Versklavung, sich achten und respektieren – das ist das Einfache, was so schwer zu verstehen ist. Es ist die Freude an einer Erde, die man nur in seiner digitalen, dreidimensionalen Welt unbeschränkt nutzen darf. Es wird anmutend eine orwellsche Situation sein, die das Netz der Kontrolle so weit fächert, spreizt und teilt, dass sie nicht mehr spürbar ist und man ihr nicht mehr begegnet. Ein Pragmatismus in der Wahrnehmung geschaffen für den Augenblick, mit dem das Individuum einverstanden ist. Schon heute sind wir in einer Hochzivilisation angekommen, in der die ästhetische Wahrnehmung medial geprüft und digital gesteuert wird. 

Wie und was wir schmecken, was wir hören und riechen, und auch was wir berühren und vor allem sehen, ist beeinflusst, vorgegeben und vorbestimmt durch das Digitale, es schafft um uns herum neue Normen des Zusammenlebens. Das setzt ein stilles Einverständnis zwischen Staat und Individuum voraus, so wie man bei Rot steht und bei Grün geht. Das klingt zwar unbefriedigend, aber es ist einfach und wahr und darum klingt es nicht gut. Wir erschaffen die Maschinen, die unsere Wünsche und Sehnsüchte stillen, Apparaturen, die unseren Intellekt berühren und erwecken und ihm eine Richtung anbieten oder vorgeben. Wer wollte das bestreiten? Es ist das Gebot einer neuen Sittlichkeit, das unser Zusammenlebens mit dem Überleben verzahnt und verbindet. 

Sich zu gleichen Zeit, auf einem Planeten milliardenfach als edle Schöpfung zu begreifen, die sich auch durch Einordnung und Einbildung ständig neue Normen gibt, ist eine gewaltige Inszenierung, die uns wieder die Natur zurückgeben kann, die wir schon verspielt haben und die aus Bäumen, Flüssen, Bergen, Meeren und aus vielen anderen Gegebenheiten und Geheimnissen besteht, die wirklich existierten. Wer kennt nicht den alten Spruch: Die Schöpfung schützen! Zurück zur Natur.

Ein vielleicht neues Recht, die Würde und Demut zu beanspruchen, führt durch die Digitalisierung zu einem Miteinander, das ein Vorrecht auf die Zukunft hat. Die analoge Macht der Natur billigen und fördern ist unsere vornehmste Aufgabe, sonst wird sie partiell die Herrschaft über uns durch Not erzwingen. Wir wissen, die Menschen ändern ihr Verhalten nur durch Katastrophen, die von der Politik herbeigeführt werden. Dem muss die Weltgesellschaft zuvorkommen. Wie kann man das erreichen?

Man kann uns Menschen mit der Kraft der Poesie (mit der Wahrhaftigkeit) digital immer neue Interpretationen der Welt anbieten, ohne sie (auch die Erde) stark verändern zu müssen.

Uns unbekannte Interpretationen und Inspirationen der digitalen Welt verändern den Verstand in den Köpfen der Menschen. Unsere Leiber wird die Erde erziehen, auf jeden Fall. Das Überleben ist nur in einer vernünftigen und nüchternen Welt möglich, ohne Ideologie, ohne Religion und ohne Eigentum, oder das Ende der Zivilisation ist schneller als in zwei oder drei Generationen erreicht ...

Es ist der Stillstand der Welt, den die Erde von uns schon seit über hundert Jahre einfordert, den wir aber noch nicht begriffen haben. Es ist der Pakt, den die Natur uns anbietet. Die Vorgabe ist einfach, aber der Maßstab scheinbar unüberwindbar hoch. Darum ist meines Erachtens das Folgende zu tun:


1. Die Einschränkung der Population, die auf ein vernünftiges Verhältnis für das Überleben der Weltgesellschaft erbracht werden muss.


2. Es ist der Kampf gegen die Unbildung, um die Armut zu besiegen. Die Zukunft braucht keine neuen Revolutionen mit politischen Ideen, sondern die Bewahrung der Schöpfung.


3. Es sind die Ideologien und Religionen, die institutionell abgeschafft werden, damit der Verstand der Menschen frei und nüchtern wird. Gott und die Demut rücken näher, der Abstand zur Klerisei wächst.


4. Der Kampf gegen die Erderwärmung. Wie retten wir uns vor dem Desaster der Stürme, Überflutungen, Dürren und Hitze, ohne unterzugehen?


5. Es ist der Kampf für die Artenvielfalt, da der Erhalt der Vielfalt sich nicht nur ökologisch in der Fauna und Flora widerspiegelt, sondern auch die Würde der Menschheit in der gesamten Natur ein Abbild ihrer zivilisatorischen Kraft ist.


6. Das gesamte spaltbare Material wird zur Energiegewinnung eingesetzt. Das Unteilbare ist die einzige Kraft, die unser Überleben möglich macht. Nach uns die Tektonik, in Milliarden Jahren gerechnet. 

Das sind Vorschläge, mehr nicht, und so sollte sie jeder nehmen und damit verfahren. Wir können uns verschwören gegen die Erde, wie wir wollen, und an höhere Mächte glauben, die all unsere Sorgen und Probleme lösen sollen, und auch für unsere Enkel beten, es wird uns nichts nützen. Dafür mag vielleicht eine Religion und auch jede Ideologie gut sein, aber so wird die Kultur untergehen in der Barbarei der Ideen und Visionen, weil der Staat dann keine Sicherheit mehr geben kann. 

Etwas, was Thomas Hobbes, auch ein Dichter und nicht nur Philosoph, vor vierhundert Jahren schon einforderte.

Wir haben nur wenig Zeit für eine hohe Qualität in der Ökonomie für die Technik und für eine qualitativ hochwertige wissenschaftliche Tätigkeit, die sich am Naturzustand orientiert.


Nur das Unteilbare, eben das Digitale und Atomare werden uns das Erlebnis Erde dauerhaft und nachhaltig verschaffen können. Wir werden es lernen müssen, Bilder zu entwickeln und zu verbrauchen, die den gierigen Verstand wahrhaftig sättigen können. So wie es uns gefällt. Die Seele der Menschen kann nur dort Frieden bewahren, wo der Verstand ohne Wunsch leben darf. Enthaltsamkeit ist keine Bestrafung, sondern als Belohnung des leibhaftigen Erlebens zu verstehen.

Allein mit dem Wissen der abendländischen Philosophie ausgerüstet, werden wir keinen Weg in die Zukunft finden. Meiner Generation hat man die Zukunft golden gemalt. Der Kommunismus müsse erreicht werden, damit wir nach unseren Bedürfnissen ohne jede Ausbeutung leben können. Das Gute hatte man uns im Osten Deutschlands versprochen. Keine Verbrechen mehr, sobald der Kapitalismus besiegt ist. Jegliches Laster gebe es nicht mehr und man werde die letzten Rudimente einer kapitalistischen Gesellschaftsform abschaffen. Das Eiapopeia vom Himmel würde so sein.

So geht es schon Jahrtausende. Hoffnung und Angst werden zu neuen Ideen und Versprechen kreiert. Doch je goldener die Zukunft gemalt wurde, umso mehr waren zwangsläufig alle Mittel erlaubt, diese Zukunft zu erreichen, auch wenn man über Leichen ging.

Heute ist festzustellen, digitale Leichen leben nicht. Vielleicht rettet dieses Erkenntnis die Menschheit. Meine Frau würde sagen: Besser, der Krimi findet im Fernsehgerät und nicht auf der Straße statt. Selbst sitze ich vor dem Monitor und suche im Text die Begegnung mit einem Terraner, einem analogen Rippenträger, um ihn von den Vorzügen meines Planeten Arkonidien zu berichten. Meine Vorstellungskraft muss ich nicht bemühen, weil meine Erinnerung bis in die 50-ger Jahre zurückreicht. Als Junge begegnete ich schon den Geisterjäger John Sinclair und war gefangen in der Mikrowelt. Alles braucht eben seine Zeit, auch die sozialen Medien (der Überwachungskapitalismus) im wunderbaren Netz

Es fehlt in der Social Media nicht nur die Empfindlichkeit, es fehlt noch mehr die Empfindsamkeit. Die Bilder und Texte, die so hingeworfen werden im Netz (dazu noch anonym), sind oft zu wertvoll für den Jargon in der Kneipe, auf dem Markt oder in der Politikstube. Da bis auf die Nase und die Zunge (Geruch und Geschmack) sonst mehr oder weniger alle Sinne erreicht werden (auch das Tasten) und vor allem das starke Bild und der starke Satz den kognitiven Rahmen der Poesie fast sprengen (mitunter passiert es aber wohl), weil die Virtualität des Digitalen mit der Wirklichkeit verwechselt wird, was oft tragisch endet, muss aus der Sicht wissenschaftlicher Bearbeitung der Ästhetik die Verarbeitung der menschlichen Gefühlswelt, mehr in den Vordergrund gerückt werden.

Das bringt einen anderen und besseren Umgang mit den Daten ins Gespräch und muss zu Entscheidungen führen, die nicht nur hinnehmbar, sondern vermittelbar und mühelos teilbar sind. Man sprach vor fast drei Jahrzehnten schon von der Datenautobahn. Bleiben wir im Bild und wir erkennen sofort: Das ist kein Transit für Kriminelle, Rowdys und Hasser, sondern der Weg in die Zukunft für Information, Leistung, Entspannung, Gerechtigkeit und auch, ja, für Mitmenschlichkeit.

Mit einem modernen und vollkommeneren Social Media können politisch-soziale Regeln eingerichtet werden, die partiell und prioritär gerecht wirken.

Der 1971 erschienene „A Theory of Justice“, „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ von John Rawls muss der praktischen Gerechtigkeit folgen. Man kann sie auch praktische Vernunft oder den praktischen Nährwert einer Sache nennen. Die Chancen auf Bildung, wie schon beschrieben, müssen für alle gelten, um der Armut zu entkommen. Jeder muss die Möglichkeit haben, seine guten, ihm und der Gesellschaft dienlichen Talente entfalten zu können. Darum müssen die Kinder schon erweckt und berührt werden, humanistisch und aufgeklärt denken und handeln zu wollen.

Hätte es die sich über alles legende und den Verstand verbrähmende sozialistische Ideologie in der DDR nicht gegeben, so wäre die Chancengleichheit in der polytechnischen und humanistischen Bildung eine Grundlage für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit möglich gewesen. Aus Lebensträumen (Weltall, Erde, Mensch, den Schülern zur Jugendweihe überreicht) wären nicht nur Lebenspläne, sondern Selbstverwirklichungen geworden. Der Ansatz zu dieser Bildungspolitik wird heute noch in den skandinavischen Ländern sozial gewinnbringend eingesetzt.

Gerechte Regeln unter Freiheitsbedingungen, die 1989 in der Zeit der „Friedlichen Revolution“ als dritter Weg diskutiert worden sind, wurden zur „Einheits-Plattitüde“ eines neuen Deutschlands, das nur die liberale Wirtschaft im Blick hatte. Eine blitzschnelle, geordnete und in Rahmen gesetzte „Soziale Medienpolitik“ wie das Internet, hätte solche Ziele damals unterstützt. Heute liegen 30 Jahre zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Mein erster Personalcomputer war ein Schneider XT mit der Speichermöglichkeit von 32 MByte. Heute steht ein (einfaches) Gerät vor mir, es leistet mehr als das Zehntausendfache und öffnet eine von mir geordnete WELT.

Im WWW, der Grundlage für den digitalen Austausch von Daten, Fakten und Informationen, liegt das Potenzial der Zukunft der Menschheit, ohne Zweifel. Es sind ja nicht nur die Programme, mit denen man Roboter und Automaten in Fabriken steuern kann, und auch nicht nur, der Film, die Nachricht oder die Unterhaltung. Es ist mehr als die Spiele und die Zerstreuung, mit denen man sich unterhalten oder sogar wichtige Gedanken für Bücher aufschreiben kann.

Unter Social Media versteht man besonders die Gesamtheit der auf Interaktion ausgerichteten Angebote im Internet, also soziale Plattformen, Wikis, Weblogs, Foren und Communitys. Jetzt, in diesen Tagen, zeigt sich die Kraft in der Kommunikation, die immer dann besonders spannend und auch notwendig wird, steht ein Land oder gar die Menschen aller Staaten dieser Welt mit dem Rücken an der Wand, um eine Antwort auf die Pandemie geben zu können. Und, es ist ja nicht nur die Entdeckung, Verfolgung und Vernichtung eines Virus, es entsteht viel mehr, wie immer in der Not. Wie es auch klingt, Homeschooling und Homeoffice, sie setzen nicht nur Erwartungen sondern auch Energien frei wie nie. Es ist möglich, Kinder und Jugendliche zu führen und zu unterrichten, und wenn wir da noch am Beginn stehen, der Mehrwert zum Präsenz- und Frontalunterricht ist heute schon sichtbar. Eine weitaus größere Dimension bietet das Homeoffice an, weil es möglich sein kann, ein Drittel der Beschäftigten und Arbeitnehmer in ihren vier Wänden zu belassen, um von dort aus die Betriebe und Fabriken im Konsens anderer Arbeit mit zu steuern. Vielleicht bildete sich durch die Wandlung und Veränderung der Tätigkeit nicht nur eine riesige Ressource von Wohnraum , auch Energie in ungeahnten Ausmaßen kann gespart werden und nicht zuletzt können auch Kunst und Kultur neben den traditionellen, jetzt schon länger begehbaren Wegen der Wissenschaft und Verwaltung, einen großen Teil des NETZES für sich beanspruchen, damit man eben nicht alles, aber wirklich nicht alles selbst erleben und auch „ertragen“ muss durch Nähe, die man über Jahrtausende eben nicht verhindern konnte, sei es bei der Arbeit, im Sozialen und der Kultur. Der Mensch wird sich in seinem Wesen „wesentlich“ ändern müssen, um überleben zu „dürfen“.

Wir haben nichts mehr zu teilen oder zu verlieren, wir müssen allen alles zugänglich machen und die Menschen in ihrer Würde erheben, damit diese Straße von allen genutzt werden kann.

Der griechische Philosoph Demokrit (460–370 v. Chr.) verwendete das Wort „unteilbar“ (atomos) erstmals in seiner Erklärung einer Welt, die aus der Zusammensetzung unvergänglicher Teilchen besteht, die sich im leeren Raum bewegen. Heute bezeichnet man mit Atom das kleinste, mit chemischen Mitteln nicht weiter spaltbare Teilchen eines chemischen Elements.

Für den sprachlichen Umgang mit dem Wesenskern des Digitalen schlage ich das Wort „ateleíotes“ vor. Übersetzt heißt es „endlos“ und in der Tat, die digitale Welt ist endlos und für uns Menschen schon ein wenig ewig. Was könnten wir mit ALLEM in unserem kurzen Leben beginnen und vollbringen?


Reinhardt O. Hahn










An den Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt 

zur Aufarbeitung der SED-Diktatur




Am 21.04.2025 habe ich Ihnen schon einen Brief geschrieben und auf das Desaster in meinem Leben, auch meiner Familie hingewiesen. Ich fühle mich wie zweimal eingesargt und bin immer noch zum Atmen verurteilt.

Alles, was ich über die Jahre bis 1990 zu sagen hatte, habe ich in der Gänze mitgeteilt. Da gibt es einen Rehabilitationsbericht und Briefwechsel mit der PDS, einen Brief von Friedrich Schorlemmer und danach den unsäglichen Zeitungsartikel, den eine Praktikantin, die heute politisch sehr aktiv ist, 1991 in der neugegründeten RHG ausgeschnitten hat und der bis 2024 der Standard über meine ethisch-politische Betrachtung geworden ist. Der Artikel in der RHG ist übrigens von einem rotgesinnten Kommunisten aus Hannover geschrieben worden, der vor einem halben Jahr gestorben ist. Er fühlte sich wie der verlängerte Arm der Genossen aus dem Osten und bedauerte den Untergang der DDR. Solche Leute soll es ja noch heute geben.

Beim Amts- und Landgericht in Halle (an der Saale) verlor ich bis 2009 die zwei Prozesse über eine Wiedergutmachung an meiner Person, wiederum mit der Begründung der Kaderakten über mich aus dem Jahre 1976, also dem Ende meiner SED‑Mitgliedschaft.

Weiter ging es nach der Wende damit, dass ich spürte, es würde etwas gegen mich vorliegen. Aber was? Bei der Ursachenforschung traf ich auf folgendes Ereignis:


Schon 2004, als der Film „Aus Liebe zum Volk“ mit Prahl und Sivan zur Berlinale gezeigt wurde, hat man den Namen des Majors des MfS im Buch „Ausgedient“ im Film anders wiedergegeben. 

Das Buch gab es nicht mehr, der Vertrieb war im VLB im Börsenverein nicht mehr aufzufinden. 2012 war auch der Film (der in 72 Ländern gezeigt worden ist) völlig weg, Piffl-Medien hatte keine Rechte mehr daran gehabt. Mir wurde das erst 2025 mitgeteilt, eben nach dem Eklat. 

Der frühere Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) antwortet nie auf meine Bücher und Briefe, obwohl wir im Podium der Akademie der Künste saßen. Er hatte ja etwas anderes vor. 

Jedenfalls Vorstellungen meiner literarischen Tätigkeit gab es in Bibliotheken, Literaturhäusern, Institutionen nicht mehr und absolut auch nicht in der Bundesbehörde, die ja noch den Wechsel 2021 vor sich hatte. 

Hätte ich nicht eine Firma gegründet und davon einigermaßen leben können, wäre ich als stigmatisierter Mensch mitsamt meiner Familie untergegangen. Es war nur der Fleiß meiner Mitarbeiter und meiner Familie, die das lange Zeit durchgehalten hatten. Heute ist das Verhältnis zur jüngsten Tochter, die 2013 die Firma übernommen hatte, immer noch gestört. Sie war sieben Jahre in der Insolvenz. Nun zu dem Zeitungsartikel, vielleicht habe ich den auch falsch verstanden: 


Meine Rente betrug 2021 etwas über 600 Euro. Gegen das Land Sachsen-Anhalt habe ich 2006 geklagt. Das Landgericht Potsdam hat mir eine Opferrente gegeben, eine Entschädigung für das Kinderheim, in das ich mit meinem Bruder genötigt wurde und das auch der Auslöser unser beider Republikfluchtversuche war. Beide haben wir versucht, in der DDR elternlos zu leben, was zu Teilen auch mir besser gelang, als meinen Bruder. Auch hier muss ich geduldig den Hinweis abwarten, dass man mich informieren würde, sobald man der Akte habhaft werde. Wahrscheinlich liegt es an der Inaugenscheinnahme, die mir schon seit der Verfilmung meines fiktiven Buches, verfolgt hat.

Ich habe ein gutes Recht darauf, misstrauisch zu sein.

Heute komme ich immer mehr zu der Erkenntnis, dass Bärbel Bohley zutiefst recht mit ihrer Annahme hat. Sie werden alles sorgfältig studieren, das MfS. Danach werden sie es anwenden, nur feiner und besser (sinngemäß). Da komme ich wieder auf den Brief von F. Schorlemmer zurück, der mich im März 1990 erheblich davor warnte, ein analytisches Buch über das MfS zu verfassen. 

Heute, Herr Beleitis, habe ich das Gefühl und auch einige Erkenntnisse, die auf die gleichen Intrigen und Unterlassungen verweisen. Ich habe Kopien der Briefe an Institutionen eingesteckt. Man kann in diesem Deutschland wohl keine Kritik an Ämtern, Institutionen und an Politikern ertragen. Es ist schon lange her, als J. Strauß dem Kabarettisten Hildebrandt einen Orden verliehen hat, obwohl er sich gern auch vor Wut über DEMOKRATIE bestimmt danach bekotzt hat. So ist es aber mit der Gerechtigkeit und Wahrheit, sie haben hässliche Gesichter. Nur das Antlitz der Lüge ist warm und scheinbar wahr. Wir erleben es jeden Tag in Deutschland.

Ich stehe jetzt im 79. Lebensjahr. Habe den Krebs besiegt und habe vieles auch anderen Menschen gegeben, was sie brauchten. Es waren immer die Erfahrung und ein tiefes Gefühl der Barmherzigkeit, was mich geführt hat. Politik ist ungebildet und machtbesessen geworden. Kritik an der Macht- und Kontrollsucht ist unbeliebt. 

Darum auch die Frage: Warum sind all meine Bücher, besonders die, welche sich mit dem MfS auseinandersetzten, unbeantwortet oder abgewiegelt worden und teilweise verschwunden? Es war mein eigentliches Lebenswerk, man hat mich darum gebracht. Ich sagte es schon mehrmals: Ich habe mehr als zweitausend Buchlesungen in derDDR-Zeit und eine gewisse Spanne darüber hinaus durchgeführt und plötzlich war Schluss.

Schön, dass die RH‑Gesellschaft sich gefällig in Instagram spreizt, auch andere. Mir sagten Hunderte Menschen, meine Auftritte und Lesungen wären topp und super. Komme ich mal dazu, aber jetzt weiß ich genau, wenn ich schon kein nasser Trinker mehr bin, so bin ich gewiss ein ehemaliger Stasi-Mann oder zumindest eine rechte „Socke“, die man ablegen und nicht mehr sehen muss.


Ich weiß, Sie haben es nicht einfach mit mir, aber richtig ist: Die Zeitzeugen sterben aus und die Historiker mit ihrer Anpassung und Geschichtsentsprechung haben das Heft bald richtig in der Hand. Das Gesicht der Wahrheit, bis auf die genehmigten Helden, kann man bald vergessen. Gott sei Dank, sie stören nur den inneren Ablauf von Verwaltungsakten und vor allem die Macht der Bürokratie. Was ist nun mit dem Härtefallfonds? 

Ich schätze Sie, auch Herrn Müller und bestimmt auch Frau Kupke. Aber sonst? Leidenschaft oder Beherztheit kommen mir selten oder gar nicht entgegen. Da wird wohl das Land Deutschland so bleiben, wie es im letzten Jahrhundert gewesen ist. Es arbeiten viel mehr Menschen an der Zerstörung der Gesellschaft, als es Redliche, Brüderliche und Geläuterte gibt.

Ich packe den „Roten Affen“ für Sie ein. Vielleicht verstehen Sie oder ein, zwei geneigte Leser, was da überhaupt in der DDR, die wieder in Filmwerken und anderen Erinnerungen gelobt wird, wirklich oder auch passiert ist. 

Nun einen besinnlichen 4. Advent und ein Fest der Freude und der Liebe wünscht 

Reinhardt Cornelius-Hahn aus Halle (an der Saale) am 17.12.2025


DAS WIR Festival


Der Gegenstand anderer Fragen ist:

Kulturschaffende führen ein „Wir-Festival“ in Halle (an der Saale) vom 21.09.25 bis zum 08.11.25 durch. Der Inhalt sind Buchlesungen und andere Veranstaltungen. Das Wir Festival bringt im Vorhaben selbst zum Ausdruck, dass es inhaltlich Gespräche gegen Intoleranz führen wird, und unterstützt werden möchte. 

Dem Wunsch der Unterstützung des „Wir-Festivals“ ist eine Resolution beigeordnet. Sie richtet sich gegen Rechtsextremismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Aber, sie richtet sich auch gegen eine Buchmesse einer Dresdner Messegesellschaft und gegen den Inhaber der Halle-Messe, gegen die ca. 80 Verleger und ganz bestimmt gegen mehr als eintausend Autoren, deren Bücher und Texte am 08.09.2025 zur Messe angeboten werden sollen, und infolgedessen gegen mich persönlich.. 

 Woher haben die Verfasser und jetzigen Unterstützer des Wir-Festivals das Wissen, dass die Veranstalter der Buchmesse Hass, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit in Halle (an der Saale) betreiben? Die beziehen sich auf das historische Datum 9. November in der deutschen Geschichte, auf Gewalttaten in der Zeit des Nationalsozialismus 1938, aber auch auf Taten eines Mörders in Halle (an der Saale), der zurecht zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist.

Die Verfasser der Resolution, die auch die Unterstützung des WIR‑Festivals vertreten, sind auch überzeugt gewesen, dass eine solche Resolution zur Abstimmung den Hauptausschuss und nun auch dem Stadtrat vorgelegt werden muss. 

Diese Resolution trägt Hass und Hetze in sich - und bezieht sich auf unzulässige historische Vergleiche, die als ideologische Waffe sich gegen Autoren, Verleger, Messebetreiber und Messeausrichter richtet. 


Kann die Verwaltung und der Stadtrat diesen Antrag auf Unterstützung der Resolution überhaupt zulassen, bei dem es sich, wie zuvor besprochen, um eine rein ideologische Ausrichtung handelt?




Grabsteininschrift in Markranstädt von Manfred Rudolf Dittmar (geb. Hahn)


Der Schlaf hat

die Kinder nun

genommen und

singt ihnen ein

Vogellied im Mai










Halle gegen Rechts.


Wir haben es mit einer neofaschistischen Linken zu tun. Dieser Wahn oder auch Wunsch nach Gerechtigkeit ist ebenso alt wie der Wunsch nach Frieden, Reichtum, Sicherheit und Freiheit. 

Der Antifaschismus wurde mit der Gründung der DDR links initiiert, obwohl die Antifaschisten die damaligen Demokraten, also die Alliierten und Republikaner, waren, WER hat bis 1945 die meisten Opfer gebracht? Die DDR hat sich als Opferstaat und -land dargestellt. Sogar mit einer Antifa. An der Staatsgrenze sind an die tausend Menschen umgekommen.

Diese Traditionen oder auch die kommunistische Plattform im Denken haben die geschichts- und gesichtslosen „Grünen“ übernommen. 

Ich kann nur sagen, 1974 war ich beseligt von der Wahl zu einer Verfassung in der DDR und ich war froh über die fast 100‑prozentige Wahl. Heute weiß ich als ehemaliger kleiner Funktionär genau, was Gehirnwäsche ist, wer sie betätigt, wie und warum. Ich war selbst Täter und später Opfer. Heute soll ich Täter sein? Warum. Weil ich für den Frieden und den Wohlstand auf die Barrikaden gehe, scheinbar oder zum „Rechten“ gemacht werde.

Unten das WIR‑Festival. So viel eklatante Beschränktheit in diesem Ekelaufruf, das kenne ich aus meiner Jugend in Leuna. Was ist daraus geworden? Ein dreckiges, kaputtes, widerliches Land, dessen Umwelt verkommen war und gestunken hat.

Heute laufen die selben Leute Sturm gegen „Rechtes“, weil für sie Arbeit, Wohlstand, Frieden und Toleranz rote Tücher sind, mit denen sie ihre Köpfe umwickeln. Migration, Ökonomie, Umwelt (?) und Vielfalt sind deren Fetisch und schaust du genau hin, so kannst du erkennen, sie sind das neue Joch einer Diktatur, die ja eine Frucht der Bürokratie, der Planwirtschaft und des scheinbar neuen Menschen ist. Wollen wir das? Willst du das?


Halb Europa wohnt immer noch in elenden Löchern, man braucht nur in den Süden zu schauen. Grenzen wären menschenfeindlich und von der Rechtsdiktatur gemacht? Kein Mensch kann nach innen oder nach außen ohne Grenzen leben. Der Leviathan müsste alle Wölfe totschlagen oder fressen, würden diese all das tun, was sie gerne möchten. Alles teilen, nichts mehr leisten, nur quatschen, gelangweilt chillen, alles besitzen und der Freund aller Menschen sein, mit Selbsthass gegen die eigenen Leute handeln, die für deren dummen Wohlstand sorgen. 

Die Jahresarbeiten der Burg, ich habe mir das angesehen. Kein Handwerk, zerlumpt, bunter und zweckloser Gestaltungs-Barock, süchtig, mager, ohne tieferen Sinn für das Gedeihliche, Praktische, Schöne, Erbauliche und Kritische.

Was rege ich mich auf? Hier das Wir-Festival von Halle. Halle mit der „halleschen Erinnerungskultur“ ist vermüllt, schmutzig und blendet. 


Willkommen beim WIR-Festival?

(Auszug von Halle gegen Rechts)

Schön, dass du da bist!

Wir sind Menschen aus Halle (an der Saale) und Umgebung, die sich für Toleranz, Respekt und Zusammenhalt stark machen. WIR lädt alle ein, die nicht schweigen wollen, wenn unsere Gesellschaft gespalten werden soll – sondern laut und sichtbar für Vielfalt und Demokratie einstehen.



Mit einer Vielzahl an Aktionen zwischen September und November 2025 möchten wir zeigen: Zivilcourage ist kein Luxus – sie ist die Grundlage einer offenen, solidarischen Gesellschaft.

Wir lesen im Rahmen zahlreicher Veranstaltungen in der ganzen Stadt.

Wir diskutieren miteinander über die Themen, die uns unter den Nägeln brennen.

Wir erinnern, um von der Vergangenheit zu lernen.

Wir machen zusammen Sport im Verein.

Wir feiern ein gemeinsames Fest.

Wir möchten mit Euch und Euren Ideen und Stimmen, mit Begegnungen und gemeinsamen Aktionen in Halle (an der Saale) und darüber hinaus ein Festival der Meinungsfreiheit feiern.

Wie dieses Festival sich gestaltet, wird hier in den nächsten Wochen wachsen. Es wird so kreativ, bunt und groß, wie wir es gemeinsam entstehen lassen.

Das WIR-Festival feiert Literatur, geht aber weit über ein Lesefestival hinaus. Literatur kann gelesen werden, gehört, gesungen, gespielt, getanzt, geschrieben, gebacken, gemalt, gesprayt, gehäkelt, gestrickt und vieles mehr.

Nutze Deine Stimme! Mach mit!

Organisiere eine Aktion oder Veranstaltung, bei der sich Menschen in einem WIR begegnen.



Jede*r ist willkommen – denn nur gemeinsam sind wir.

Zeig Haltung. Zeig Gesicht. Sei dabei.

Du bist nicht aus Halle (an der Saale)? Kein Problem! Egal, wo Du Dich für unsere Idee engagieren möchtest: Je größer unser WIR, umso besser. Nutze Deinen Ort und Deine Möglichkeiten, um in Deinem Umfeld oder überregional ein WIR zu gestalten.

In Kürze wird es über diese Website möglich sein, Deine Aktion oder Veranstaltung anzumelden. Über ein Was? Wer? Wann? Wo? erscheinst Du dann in unserem Veranstaltungskalender und bist Teil des WIR-Festivals.


Wie denkt und fühlt ein von Ideologie besetzter Mensch? 


Unter dem Eindruck der Ereignisse 1968 in Prag trat ich in die SED ein. Ich glaube, ich hatte Angst, den Sozialismus zu verlieren, der mich immer stärker beschäftigte. Das lag an einem älteren Kollegen, der den Zweiten Weltkrieg mitmachen musste und in Gefangenschaft gewesen war. Er hatte mich von der Humanität und Unausweichlichkeit einer Zukunft mit Sozialismus überzeugt.

Ideologie im Menschen ist ihrem Zustand nach wie ein einzelner Baum im Wald, der sich nur mit ähnlichen oder besser „gleichen“ Bäumen versteht und wächst. Von der Wurzel über den Stamm bis in die Krone zu den Blättern ist der Baum eins. 

Ich begann, mich über die Wahlergebnisse der Partei (SED) zu freuen, über die Verfassung und über die Einheitlichkeit, Geschlossenheit und Reinheit der Partei. War das Ergebnis nahe an 100 Prozent, da war ich besonders froh, weil WIR unsere Ziele erreicht hatten. Das Volk stand hinter der Partei der Arbeiter- und Bauernklasse. Das Volk besaß die „Produktionsmittel“, hatte angeblich die Macht und die Partei war immer im Recht. Davon war ich überzeugt. 

Ideologisch die Welt zu sehen, füllte meinen Verstand, mein Gefühl und meine Bewegung in der Gesellschaft völlig aus. Ein Sozialist hat immer zu tun und seine erste und vornehmste Aufgabe ist, andere Menschen von seinen Überzeugungen zu überzeugen. Menschen, die den Marxismus-Leninismus nur schulisch und universitär erlernt hatten, verachtete ich heimlich, mitunter offen. Sie wollten nur Prüfungen bestehen oder ihre Ruhe vor der argumentativen Nachstellung durch die Partei zu haben. Zuerst musste ich lächeln, später war ich erzürnt, denn ich konnte und wollte es nicht begreifen, dass man meiner sozialistischen Weltanschauung nicht folgen wollte. 

Sie war ja so eindeutig, so umfassend und so erfüllend, sie war mein täglich Brot und auch in der Vorstellung für die Zukunft war sie nicht zu übersehen. Vor den 10.Weltfestspielen in Berlin besuchte ich die Bezirksparteischule und wurde durch eine Ehrung sogar Nomenklaturkader für den Bezirk.

Von dieser Zeit an konnte ich Andersdenkende kaum ertragen. Ich verachtete sie, weil sie trotz Doktortitel oder Diplom meinen Gedanken nicht folgten. Eigentlich hätte damals das gesamte Land, die Bevölkerung und jedes Geschlecht, Mann, Kind und Frau, sozialistisch eingestellt sein müssen. 


Die Lehre des Marxismus bot mir die Analyse der Vergangenheit , das Verstehen der Gegenwart und die Zuversicht für die fernsten Zeiten in der menschlichen Gesellschaft an. Die Zukunft war mein Land und dieses Land war unbesiegbar. Es schien ewig und unumkehrbar. Der Sozialismus wurde ständig unveränderlich fester und stärker in mir. Meine Sehnsucht, ihn in die große Welt zu tragen, beschäftigte mich eindringlich. Wörter wie Solidarität, Internationalismus und eben der Sozialismus machten mir die Welt verständlicher. Zur Ideologie, auch der sozialistischen, gehörte die Verfolgung Andersdenkender. Dazu gehörte auch der Hass auf die Unvollkommenheit der Welt, die ich heilen und fördern wollte. Ich war sogar bereit, mit der Waffe in der Hand, in Vietnam gegen die Amerikaner zu kämpfen. Für die Ziele dieser Gesellschaft musste ich aber auch oft lügen, kämpfen und vielleicht sogar sterben, denn die Wirkung des Sozialismus war allmächtig und duldete weder Kritik noch Widerspruch und schon gar nicht die Anwesenheit eines anderen gesellschaftlichen Modells, wie die Religion, den Kapitalismus oder eine andere Form der Diktatur, wie Militär, Despotie oder Monarchie. Eine theoretische Anschauung erklärte mir die Welt.

Mein Verstand und auch mein Herz waren acht Jahre im Gefängnis mit den goldenen Gitterstäben und warteten auf die gedeihliche Vorsehung und die kommunistische Allmacht. Ich bemerkte aber auch, Anspruch und Wirklichkeit klafften immer weiter auseinander.

Während der Jahre bemerkte ich, dass ich nicht das Denken der anderen aussperren konnte. Zusehends sperrte ich mich selbst ein. Der Zerfall meiner Weltanschauung ging viel schneller vonstatten, als ich es je geahnt hätte. Es waren die Lügen, die Versprechungen, die Vorteile und vor allem die Ungerechtigkeiten im Alltag mit seinen kaputten Häusern, Straßen, dem schlechten Konsum, der Mauer, hinter der sich die Verteilung der einst errungenen Macht, anders und neu veränderte, und die Bürokratie mit ihrer Planung und noch stärker der Egoismus der Führenden auf allen Ebenen, die einer uralten Bestrebung des Menschen offen oder heimlich nachgingen, mehr persönliches und besseres Eigentum zu besitzen als andere Leute oder der Nachbar, und ich sah, wie sich alle ihre eigenen Vorteile sicherten, die sich in der geplanten und kontrollierten Gesellschaft ausbreiteten und vor allem sich der Heuchelei und der halben Wahrheiten bedienten. Zuletzt waren es auch die Machtausübung und Verfolgung von Andersdenkenden, die mir sagten: „Verlass diese Partei“ und später: „Überwinde das System, es ist menschenfeindlich und unerträglich.

So hat sich alles geändert, aber nicht zum Guten gewendet.

Wieder versuchen die Menschen, sich an die Unbilden einer Tagesideologie anzupassen. Mit dem banalen Aufschrei: „Rettet die Welt!“ ruft ein Teil der Politik dazu auf, sich als frohe Masse zu unterwerfen. Sie manipuliert wie immer, die Politik, mit Angst und Hoffnung. Derweil wächst die Drohung der Erde. In ihrer sichtbaren und stummen Sprache sagt sie: „Verändert das Bild von eurer Welt, damit ich euch weiter leben lassen kann. Viele verstehen das nicht, weil sie auch nicht das Wesen ihres Leibes begreifen, der ebenfalls sagt: „Ich habe es satt mit dir, du da oben, der sich Verstand nennt. Besser, ich verabschiede mich von dir und gehe in das Universum, gelöst vom Übel deiner Gedanken, als Winzigkeit wieder zurück.



Aktuelle Impressionen von R. O. Hahn (geschrieben am 10.09.89)

Der kürzeste Weg nach Halle an der Saale führt über Westberlin. Nie hätte ich daran gedacht, wäre ich nicht am Abend des 9. November in Berlin Pankow gewesen, um aus meinem neuen Romanmanuskript „Das gewöhnliche Bauwerk“ zu lesen. Nach der Veranstaltung, es war um Mitternacht, hörte ich die ungeheuerliche Nachricht: Die Grenze ist offen. Sie zog mich in die Invalidenstraße. Dort dachte ich daran, nach Charlottenburg und durch den Grunewald nach Drewitz zu fahren. So würde ich mindestens eine halbe Stunde weniger bis nach Halle (Saale). „Drüben“ kenne ich mich ein wenig aus.

Bei mir sind es nicht die Privilegien, es ist meine zahlreiche Verwandtschaft, die mir schon vier Besuche in der Bundesrepublik und Westberlin „einbrachten“.

Sie sind einfache Leute der täglichen Hackordnung, die sich in einer harten Gesellschaftsordnung behaupten müssen. Sie reden fast ausschließlich über Geld, weil sie wenig davon haben. Sie reden über Fußball, über RTL plus, Autos, billige Preise und „ziehen“ sich gelegentlich ein Video rein. Sie lehnen Nachrichten und politische Diskussionen ab, sie sehen „Willy go“ oder Rudi Carell oder anderes an, sie telefonieren gern und viel und in öffentlichen Verkehrsmitteln sind sie kaum anzutreffen. Die Hochstraße in Krefeld (die Stadt ist etwas so groß wie Halle an der Saale) hat mehr Läden und Kaufhäuser als Halle und Halle-Neustadt zusammengenommen. Die Straße ist reich und geschäftig. Die saubere, tüchtige Stadt Krefeld, in der viele meiner Verwandten wohnen, wurde bis vor wenigen Wochen von der CDU regiert.. Am letzten Tag meiner diesjährigen BRD‑Reise sah ich in den Lettern der BILD vom 16.10.89: Hackethal: Ich rette Erich Honecker! Meine Verwandten diskutierten darüber. Ich musste lachen und auch daran denken, dass ich während meiner Schulzeit drei Jahre die Bildzeitung ausgerufen und ausgetragen hatte. Der Preis hatte sich geändert. Damals kostete die BILD einen Groschen. Meine einfachen Verwandten sind selbstbewusste Konsumenten. Eine Geschäftsstraße in Düsseldorf beflügelt ihr Denken als Paris, Rom oder Dresden, denn dort gibt es weniger Einkaufsmöglichkeiten. Vier meiner Verwandten haben „republikanisch gewählt“: Sie sind Angestellte, Polizist und Maurer.

Ich habe nach den Gründen gefragt: einen Denkzettel geben! Ich stehe zu den Republikanern, sagen sie, weil sie gegen die Ausländer sind. Deutschland muss nach vorn gebracht werden. Andere nehmen uns aus und leben auf unsere Kosten. Einer muss sagen, wo es langzugehen hat!

Aus meiner Lebenserfahrung kenne ich einen Vorgang: Ich war ganz unten, lag am Boden, wie man so sagt. Ich fühlte mich gezwungen, vor mir selbst aufrichtig zu sein und anderen gegenüber ehrlich zu sein, sonst hätte ich dieses Unten-Sein nicht überleben können … Die Ehrlichkeit und die Aufrichtigkeit, sie haben mich gefestigt. Mich störte weder der moralische Zeigefinger noch das gehässige Gerede der Welt, ich wollte leben. Ich unterließ es auch, andere zu belehren, denn ich hatte versagt. Ehrliche Freunde fanden sich von selbst.

Das mit der neostalinistischen Subkultur im Verstand, so glaube ich, das haben wir so einigermaßen begriffen, sonst hätte sich das Gespräch in der Öffentlichkeit nicht so entfalten können. Und das, obwohl das Vertrauen grenzenlos verloren schien. So grenzenlos, dass in dieser Nacht die Tore und die Übergänge geöffnet werden mussten.

Durch den Missbrauch der Macht haben viele Menschen ihre Würde verloren. Ihre Selbstwertgefühle haben gelitten und leiden noch, weil sie vor Beziehungen und ihrer Selbstzensur auf dem Bauch gelegen haben und liegen. Ohnmacht und Furcht vor der Staatsmacht, sie haben uns gelebt. Jetzt holen wir uns die Würde wieder, durch Demonstrationen und Wege über die Grenze, durch den Ruf:

Endlich sagen, was ich sagen will. Die Selbstwertgefühle holen wir aus der Tiefe eines verdrängten Bewusstseins heraus! Welche an der Wirklichkeit gelitten hat. Wir erleben Zorn, Trauer und Bitternis und dadurch neues Glück. Das mit der Macht und den Beziehungen, vielleicht können wir das ändern.


indem wir uns und den Alltag zu leben beginnen. Meine Verwandten liegen vor dem Geld auf dem Bauch, in einer Art und Weise, dass ich Furcht bekommen könnte um unser neues Selbstverständnis, um das neue Wir-Gefühl, das bei den Einzelnen beginnt, der sich zum Nutzen aller entfalten darf und möchte. Über das, was wir nicht mehr wollen, reden wir alle Tage. Aber bald werden wir über das Wie reden müssen-

Ich hätte über Charlottenburg fahren können, um eher in Halle an der Saale anzukommen; ich bin wie gewohnt über das Schönefelder Kreuz gefahren.

Nach zwei Stunden lag im Dunkel der Nacht die Stadt Halle (an der Saale) vor mir. Nass, grau und friedlich waren die Straßen. Sie schillerten im dunstigen Rot der Laternen. Zu Hause schaltete ich das Fernsehgerät an. Tausende Menschen wechselten die Grenze in der Stadt Berlin. Jedem einzelnen hätte ich gern gesagt: Bleib hier. Meine Frau und die Kinder schliefen schon. Wir sind alle mit der kleinen DDR verwurzelt. Ich spürte es selbst, besonders dann, wenn ich rüberfahre, meine einfachen Verwandten besuche.