Projekte Verlag Hahn
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Ich bin ein alter, fester Baum. Einige Stützen brauche ich schon. Etwas Weib dazu. Und - von dem Grün würde ich gern einiges an junge Autoren abgeben.

 

Zur Tetralogie "Das gewöhnliche Bauwerkt"

 

Meinhardt und Manfred Dehm waren nicht die Kinder einer normalen Zeit. Sie sind, wie Millionen andere Menschen auch, die Frucht eines einmaligen geschichtlichen Vorganges, der Deutschland seit hundert Jahren und länger prägt. 
Während die Mutter Edith Bumke, drei Jahre vor dem Abschluss des Versailler Vertrages geboren, noch ihre Zeit genießen wollte und das auch durchsetzte und sich das nahm, was sie bekommen konnte, blieben die moralischen Belehrungen und Gewissensnöte, die über Jahrhunderte (nach dem Dreißigjährigen Krieg) gewachsen sind, bei ihren Kindern wirkungslos. Wurde früher das Verlangen nach einem gesicherten Leben noch von der Todesfurcht diktiert, weil das Verhungern, die Krankheiten oder die Kriege augenscheinlich immer in eine Biografie mit einkalkuliert werden mussten und so ein unbändiger Wille bestand, der Autokratie als Institution zu folgen, brach nach dem zweiten Weltkrieg eine Zeit an, die Meinhardt Dehm mit den Worten beschrieb, er sei nach dem Krieg und vor der Sintflut geboren und so in ein goldenes Zeitalter hinein gewachsen.

Der moderne. demokratische Staat, der nach der Kapitulation als Überlebenssicherung entstand, wurde zu einer Institution, die über Jahrzehnte hinweg die moralischen Verhaltenswerte und sittlichen Bilder verlor. Der sozialistische und später auch der demokratische Staat griff zum Mittel der Schuld, um so das Gewissen des Individuums sanktionieren zu dürfen. 
Diese Generation, die aus der Zertrümmerung Deutschlands spross und wuchs, nahm den Schuldkomplex an und wusste nun nicht mehr, wie sie selbst leben sollte. Die „Alten“ sagten es ihnen nicht mehr. Aus der SCHULD wurde ein Handel mit dem Gewissen der SCHULDLOSEN, so wie zu Zeiten Luthers, der dagegen aufbegehrte und der Römischen Kirche das Schisma (die Spaltung) brachte.

In den vergangenen hundert Jahren wechselten die Gesellschaften und der Staat sechsmal ihre innerste Struktur und somit die Ausübung und Durchführung der sozialen und administrativen Macht. 
Der Staat vereinnahmte und vereinigte jeweils über die absolute Herrschaft von Parteien alle Interessen des Individuums. Mit Willkür zwang er mit der Macht der Parteien der letzten Generation seine Vorstellung von der Existenzbewältigung auf. Er wurde Selbstzweck oder auch Staat im Staate. Die wesentlichste Rolle spielte das WIR-Verhalten des Individuums, das die Gewissenserziehung und die Eigenverantwortung ablegen durfte, und dafür die Unterdrückung des ICH wohlwollend und vorauseilend begrüßte. Die Kassierung der herkömmlichen, über Jahrtausende verkündeten Werte werden als Bereicherung der Individuuen gesehen, da sie das leidige Gewissen und die Verantwortung über sich selbst mit der Bejahung des Wir ablegen durften.
Das Gewissen verlangt nach Wahrheit, die Verantwortung fordert auf, das eigene Leben zuerst zu gestalten, damit der Nächste davon profitieren kann.

Das Pathos, mit dem 1914 Albrecht Dehm in den ersten Weltkrieg ging und schwer verwundet heimkam, brachte ihn dazu, den Vertrag von Versailles als Schande und als Ehrverlust für das Deutsche Volk zu sehen. Unter Wilhelm den II., der die Nation instrumentalisierte zogen die Bürger mit Ehrbegriffen wie Gott, Kaiser und Vaterland ins Desaster. Das Ende, die bedingungslose Kapitulation, war die Voraussetzung für die gesellschaftliche Akzeptanz einer fast regellosen Freiheit und politischen Toleranz in der Weimarer Republik. 
Diese Republik höhlte die Grundfesten der Wilhelminischen Ordnung aus. Gesetze, Regeln, Maßstäbe, und all die Vorgaben eines gedeihlichen Miteinanders wurden endgültig gebrochen. Reich und Arm, Gerechtigkeit und Gesetz, Vertrauen und Führung, sie funktionierten nicht mehr korrekt und stabil, das laszive und gewaltbereite Leben schuf die Grundlage für eine Erneuerung der schlimmsten Art und Form der Gesellschaft, den Faschismus. 

Der allmächtige Staat unter der Führung der Nationalsozialisten versprach die Überlebenssicherung in schwieriger, schlimmer Zeit und verlangte dafür die bedingungslose Gefolgschaft. Er versprach Ehre, Würde und Moral zu geben und belohnte die Gesellschaft mit einem Gemeinschaftsgefühl, das ethisch höher zu stehen schien, als es das Gewissen und auch das Leben des Einzelnen wert gewesen wäre und auch wurde. 
Die Bedrohung der menschlichen Würde wurde gegen das Versprechen auf Sicherung des Lebens in der Gemeinschaft getauscht. Ein schleichender, ideologischer Prozess, der eine Idee im Bewusstsein aller über die kreatürliche Vernunft des Einzelgewissens stellte.
Das Fiasko und Chaos, das sich nach der Niederlage der nationalsozialistischen Ideologie durch den Tod von Millionen Menschen einstellte, verlangte nach der zweiten bedingungslosen Kapitulation einen absoluten, innerstaatlichen und außengelenkten Neubeginn. Der Staat war wertlos geworden, weil er seine Legitimität verloren hatte und mit seiner Fähigkeit und seinen Instrumenten das Leben des einzelnen Menschen und zuletzt das Leben aller nicht mehr beschützen konnte. Er wurde zu einem Willkürapparat einer Partei (NSDAP). 

Mit dem Grundgesetz nach 1945 ist die Würde als absolute Bedingung in das wichtigste Gesetz wieder hergestellt worden. Das bedeutetet, das menschliche Leben wird höher eingeschätzt, als alle anderen Güter, mehr als Anerkennung, Ruhm, Ehre, Heldentum und Auszeichnungen.
Selbst Friedrich Schiller, der dichtete: „Das Leben ist der Güter größtes nicht“ und der den Europäern die „Ode an die Freude“ schenkte, kann hier nicht überzeugen, wonach der Staat die menschliche Würde zu schützen hat, was denknotwendig ist und zwangsläufig jeder Bedrohungsgefahr entgegentritt. 
Das Ziel eines solchen Staates ist der Friede auf Erden, was gleichberechtigt ist mit der Sicherung menschlicher Existenz vor ihrer gewaltsamen Vernichtung. 

„Die einzige Aufgabe, die der Staat hat, ist die Überlebenssicherung, die Ermöglichung der Selbsterhaltung seiner Bürger. Er ist nur Mittel zum Zweck, Weg zum Ziel, Instrument oder künstliches Konstrukt, sodass er keinen eigenen Wert, keinen Selbstwert im Dasein besitzt, sondern nur einen abgeleiteten relativen Wert besitzt, abgeleitet von den Überlebensinteressen des Individuums.“

In der politischen „Denkgeschichte“, der Philosophie, hat das Individuum einen höheren Wert als der Staat. Der menschliche Wert ist nicht auf einen außerhalb seines liegenden Zwecks instrumentalisiert und funktionalisiert, vielmehr hat der Mensch einen absoluten, nicht mehr relativierbaren Wert, dem der Staat zu dienen hat. Der Staat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Staat, um es in der Diktion der Väter des Grundgesetzes zu sagen.

Anders als in der Bundesrepublik Deutschland wird auf den Boden des ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat die Idee vom Zusammenleben einer menschlichen Gesellschaft über das Individuum gestellt. 
Das neue Wir-Gefühl, das nach dem Kaiser, nach der Notgemeinschaft der Weimarer Republik und dem totalen Pathos eines Wir-Gefühl mit Todesgemeinschaft der Nationalsozialisten folgte, ist das WIR der sozialistischen Gesellschaftsordnung, die den Zweck der Gemeinschaft über das ICH des Einzelnen stellt. 
Die kollektive Sicherung des Überlebens wird über ein ständiges, tatsächliches und auch inszeniertes Bedrohungsverhalten von allen abverlangt und es wird mit der Gefahr der Wiederholung gedroht (Faschismus), der politisch, sozial und wirtschaftlich nach den furchtbaren Katastrophen der beiden Weltkriege und den Kapitulationen aber nicht mehr möglich ist. Die Sprache der Völker sind die 73 Unterschriften, die eine bedingungslose, dauerhafte Niederlage erzwungen.

Sicherheit durch die Beschwörung der aus der Vergangenheit erlebten Gefahren in dieser Welt, lebt Meinhardt Dehm exzessiv aus, den Sozialismus. Während sein Bruder Manfred für eine natürliche Freiheit kämpft und daran zerbricht, richtet sich Meinhardt Dehm eine gewisse Zeit in der Gesellschaft ein. Das geht gut, so lange er folgsam und vorauseilend gehorcht. Erst die bedrohlichen Gefahren seines süchtigen Lebens zwingen ihn zu einer Umkehr. Seine Nüchternheit steht für die Klarheit und den Willen der Menschen im Jahre 1989.

Den Trümmerberg, den vorangegangene Generationen hinterlassen, weniger aus Achtlosigkeit, sondern mehr den Sichten der Politik folgend, ist aus der Spannung zwischen Angst und Hoffnung jeweils immer entstanden. Mit der Angst zu drohen und mit der Hoffnung locken, das sind die überzeugendsten Argumente der Parteien in der Politik.
Mehr als fünfmal folgten die Menschen in Deutschland diesem Rhythmus des auf- und abschwellenden Gesangs im Werte-Kanon der Gefühle, der Erfahrungen und des Gewissens. Fünf mal anders reden, denken, essen, riechen, schmecken, fühlen und berühren, daraus bestehen die Dinge, die jeweils immer aus einer anderen oder auch „neu“ genannten Definition des gesellschaftlichen Zusammenlebens gemacht werden. 

Aber, die Vergänglichkeit des Wahrgenommenen, eben die zu lebende Ästhetik, zwingt die Menschen immer wieder auf das Neue, ihr Gewissen und ihre Verantwortung wahrhaftig und nicht nur politisch zu prüfen. 

Die Heldin Martha Bumke, danach Dehm und später Hohm stirbt drei Jahre nach der letzten Zahlung der deutschen Schulden aus dem Versailler Vertrag 1920. Sie war ihr ganzes Leben eine von Millionen SchuldnerInnen, die für den Wirklichkeitsverlust und die Großmannssucht eines deutschen Kaisers und seines Gefolges büßen mussten. 
Es gibt kein vergleichbares Land auf dieser Welt, das in hundert Jahren fünfmal das Wesen, die Gesinnung und seine Werte so gewechselt hätte, wie es die Deutschen taten.

Das Trümmerfeld dieser Versuche, Verwerfungen und Verbrechen arbeiten die Menschen heute noch ab. Und, es ist nicht absehbar, ob der Satz: „Wir schaffen das“, die Lösung für kommende Generationen anbietet, nach dem das kollektive WIR oftmalig als Gemeinschaft gescheitert ist.

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