Projekte Verlag Hahn
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Ich bin ein alter, fester Baum. Einige Stützen brauche ich schon. Etwas Weib dazu. Und - von dem Grün würde ich gern einiges an junge Autoren abgeben.

 

Unter dem zerknitterten Brief, der nicht abgeschickt worden ist, steht ein winziges, wahrscheinlich später handschriftlich zugefügtes Zitat von meinem Großvater:

Ein Sekretär des Landrates Friedrich Freiherr von Uslar-Gleichen gab mir eine Auskunft:
Ich hätte die Herkunft meiner Frau Gerlinde verschwiegen. Ich hätte den Ahnenpass gefälscht. Ich könne froh sein, dass man der Sache nicht noch weiter nachginge. Man unterstellte mir, nur darum hätte ich mich um die Überarbeitung der dreihundert Jahre der Geschichte des Dorfes bemüht, um den arglosen Leser zu täuschen. Der Beweis sei der Brief der Pfarrerswitwe Brehm. 

Ich dachte mir, was ginge es die Leser an, dass meine Frau im zarten Kindesalter in einer Kinderverwahranstalt gewesen ist? Man könne es vergessen oder übersehen und es mir verzeihen, dass ich über sie nichts berichtet habe. Dass meine Frau aus einer unarischen Familie stammt, wer hätte das außer mir wissen können oder wollen? 
Meinen Söhnen und meiner Tochter habe ich das nie erzählt und ich werde es ihnen nie erzählen. So wie meinen Arm, so habe ich auch meine Frau für das Vaterland geben müssen.

Ein zweiter Brief folgt: 

Sehr geehrter Pastor, Sie wissen, vor einer Woche hat man meine Frau abgeholt. Ich mag nicht daran denken, was mit ihr in Neu-Ruppin geschehen ist. 
Man hat mir mitgeteilt, sie habe Hand an sich gelegt. Später, sobald unsere Kinder verständig geworden sind, legen Sie den von mir geschriebenen Ordner ihnen nahe. Es kann sein, es werden andere Zeiten kommen. Die Geschichte lehrt es uns. Vielleicht werden unsere Kinder mich verstehen und mir verzeihen können.
Oh Gott, was habe ich meiner Frau nur angetan. 
Ich ertrag mich selbst nicht mehr!

Nov. 1938                                                Albrecht Dehm

 

Lieber Großvater!

 

Vor fast vierzig Jahren habe ich gedacht, ich könnte verrückt werden. So im Kopf. Nicht mehr klar. Wahnsinnig. Mich selbst nicht mehr ertragen. Es war ein Prädelir. Mit akustischen und visuellen Halluzinationen. Ans Rollbett festgebunden. Im „Bergmannstrost“, so hieß das Krankenhaus in Halle, hat man mich in einen gefliesten Raum geschoben. Wahrscheinlich wegen der Kotze und der Scheiße vor dem letzten Waschen. Die Abholstation vor den gekühlten Räumen, in denen die Leichen eingefroren mitunter Wochen lagen.
Er stehe vor dem „Exitus“, kommentierte der Arzt meinen Zustand den zwei Krankenschwestern. Er meinte mich. 
Heute ist mir so ähnlich. Die Schläfen wollen zerspringen, der Innendruck will die Augen zum Zerplatzen bringen. Es ist unglaublich, ungeheuerlich. Kein Wort über meinen Vater, über seinen älteren Bruder und die Schwester. Als wenn es sie nie gegeben hätte! Sie waren damals schon erwachsene Leute. 
Die Lebenslüge hat meinen Großvater unbarmherzig gemacht. Wie ein Stein ist, so müssen seine Gefühle gewesen sein. Alles, um anderen Menschen, seinem Führer und seinem Vaterland zu gefallen. Alles hatte er der Idee „gegeben“, seinen Arm, seine Frau und zuletzt die Wahrheit. Er nannte den WIR - Wahnsinn das Opfer für den Nationalsozialismus. Ich kann und will das nicht verstehen. Wie kann man nur für eine politische Idee alles geben. Nicht nur seine Ehre, sein Gewissen und seinen Verstand, mehr noch, sein Leben.
Man gibt doch nur sein Leben, wenn es dem Leben dient? Aber, für eine Idee, für eine Vorstellung, für Wünsche - eigentlich für eine Illusion sich zu „verschenken“, das ist krank.
So gesehen sind wir eine kranke Nation, die süchtig nach Geltung isr

 

 

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