Projekte Verlag Hahn
Projekte Verlag Hahn  

Gottfried Wollboldt

Band 1 habe ich nun gelesen.

Eigentlich sollte jeder über seine Herkunft, sein Werden, Sein und Vergehen nachdenken. Sie haben es ausführlich getan und ich habe daraus einiges hinzugelernt. Wie damals die Herrschaften mit ihren Leibeigenen, Bauern und Pächtern umgegangen sind und dass sich bis heute einiges verändert hat, weil sich das Verständnis von Begriffen durch das Leben änderte was wiederum Veränderung in Leben und Verständnis nach sich zog. Doch bis heute ist der Idealzustand nicht erreicht. Immerhin empfinden wir den damaligen Umgang der Menschen miteinander als grausam und heute als weniger grausam, also gab es Fortschritt.

Es mag Zufall sein oder auch nicht, als ich Ihr Buch las, kam mir ein Zeitungsabschnitt zu Gesicht, der von dem gleichen oder ähnlichen Thema sprach. Ein junger Mann wollte von seinem Vater wissen, warum er ihn verlassen hatte, als er noch klein war. (Siehe Zeitungsausschnitt im Anhang).

Der Vater stammte aus Nantucket, einer Insel an der Ostküste der USA, wo Indianer von Walfang lebten. Als Amerika unabhängig wurde, begannen auch die Siedler aus Europa mit Walfang. Um 1850 waren

In New Bedford und Nantucket etwa 700 Schiffe registriert, die in japanischen Gewässern Wale fingen. Das hängt mit den Meeresströmungen und den Wanderwegen der Wale zusammen. Also sind wir wieder in Japan.  

In Japan gibt aber nicht nur Wale und Meeresströmungen, sondern auch Taifune und  Schiffe, die an Felsen zerschellen, deren Überlebende zurück nach USA wollten, aber nicht konnten, weil  es keine Schifffahrtslinie von Japan nach USA  gab. Das erzeugte politische Spannungen, bevor der amerikanische Commodore 1853 in die Bucht von TOKIO  einlief, um einen Handelsvertrag mit den Japanern auszuhandeln.

Sie wissen was dann geschah, ich möchte es hier nicht ausbreiten. Jedenfalls beschäftige ich mich damit, wie es dazu kam. Nicht aus Spaß und Dollerei, sondern weil ich glaube, es hilft den Leuten heute, wenn sie wissen, was vorher falsch gemacht wurde. Nicht dass ich alles wüsste, aber Schritt für Schritt kommt dahinter, wer sich darum bemüht.

Hier möchte ich den Text abschließen, weil ich ja auch Zeit benötige, um Ihre Fortsetzungsbücher zu lesen.

Freundlichst

Gottfried W. Wollboldt

17. Juni 2019 Dr. Manfred Lichtblau Verifiziert bei AMAZON

 
Von der auf vier Bände angelegten Roman-Tetralogie des Autors Reinhardt Hahn sind jetzt drei Bücher erschienen. Band 3 ist für mich der zugleich packendste Roman. Er beschreibt das Leben der Hauptfigur Meinhardt Dehm in der DDR detailgetreu, insbesondere sein Scheitern an den Strukturen der DDR-Politik. Das alles ist spannend und interessant geschrieben, wenn auch zuweilen etwas ins Politische ausufernd. Hier verläßt der Autor die Romanstruktur und seine Hauptfiguren zugunsten allgemeiner zeitpolitischer Einschübe. Hier sieht sich der Autor in einem bildungspolitischen Auftrag, den er sich selbst gestellt hat. Die eigentliche Romanhandlung aber ist packend, interessant und spannend. Es wird offensichtlich, dass der Reinhardt Hahn hier sein eigenes Leben aufbereitet, was das Werk so authentisch macht: Er hat das alles selbst erlebt, was die manchmal sprachlos machenden Geschehnisse um Meinhardt Dehm nur umso glaubwürdiger macht - das alles ist wirklich so passiert! Mir sagt dieses Romanwerk hundert Mal mehr als jede soziologische oder zeithistorische Schilderung des deutsch-deutschen Alltags. Zumal der Autor ein versierter Erzähler ist, der seine Mittel beherrscht und einzusetzen weiß. Mein Urteil: spannend, flott und interessant erzählt - einfach lesenswert.

 

Ebenso Volker Dietzel

Ein lesenswerter Roman aus Hahns Tetralogie über eine/seine deutsche Familiengeschichte, die immer da am stärksten ist, wo über die Zeit der deutschen Teilung berichtet wird, die Hahn selbst erlebt hat. Schon als Kind in einer komplizierten deutsch-deutschen Familie ist er ein Grenzgänger und Verschiebeposten zwischen den beiden Deutschländern. Der Romanheld erlebt als aktiver Mitgestalter die Höhen und Tiefen der DDR bis zu ihrem Untergang. Da ist SED-Ideologie (in wunderbar krassen O-Tönen), da sind Nebensächlichkeiten wie Liebe, Notwendigkeiten wie Arbeit, auch die unter unmenschlichen Bedingungen. Und da sind Fluchten aus der Wirklichkeit durch entlastende Saufereien, zerstörenden Alkoholismus, und es gibt den schmerzhaften Weg der Selbstbefreiung aus zweierlei: aus den Klauen des Alkohols und aus den engstirnigen Denkbahnen sozialistischer Ideologie. So ungefähr muss sich Anton Reiser das vorgestellt haben.
Durch Auslassungen, Verkürzungen und rätselhafte Denk- und Handlungssprünge entsteht eine Atmosphäre von so etwas wie Poesie. Immer wieder konfus und verwirrt wie das Leben entsteht ein Kaleidoskop von erinnernswerter Wirklichkeit. Wer hätte das gedacht.
Um die anderen Bände leichter zu finden, hier die Einzeltitel der Tetralogie von Reinhardt O. Hahn:
1 Was soll mir eure Schuld
2 Das gewöhnliche Bauwerk
3 Die Zukunft war unser Land
4 Das Paradies im Irrenhaus (erscheint im Herbst 2019)

 

 

Unbekannt

Ein Gojim erzählt

22. Mai 2018

Ein biographisch tiefschürfendes Buch flatterte mir jüngst ins Haus und schon der Titel irritierte: "Was soll mir eure Schuld" (ohne Fragezeichen).
"In diesem Buch von Reinhardt O. Hahn wird dem Antisemitismus der ständige Kampf angesagt. Judenhass und Judenverfolgung werden genau und tiefgründig entlarvt und offenbart", heißt es im Erklärtext bei Amazon.
Der Buchtitel müsste eigentlich heißen "Eure Schuld bedeutet mir sehr viel!": Welterklärung, Schreibgrund für eine Romantrilogie und gelegentlicher Antrieb für einen steil erigierten Autoren-Zeigefinger.
Gar so allgemeinpolitisch und holzschnittartig wird es dann doch nicht, denn Reinhardt O. Hahn kann erzählen, als Naturtalent ohnehin, aber auch als Absolvent des Leipziger Literaturinstituts. Auf 352 Seiten entwirft er ein breites Panorama von fast 400 Jahren Familiengeschichte.
Nach dem Tod seiner Mutter begibt sich der Autor auf Spurensuche in seinen Geburtsort Gottberg, heute ein Ortsteil von Märkisch Linden im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Im Archiv des Pfarrhauses vertieft er sich in die alte Ortschronik seines Großvaters Albrecht Hahn.
Die Familiensaga beginnt 1638, mitten im Dreißigjährigen Krieg, Menschen sterben, Städte und Dörfer brennen nieder. 1719 ist die Wirtschaft wieder im Aufschwung, Familie Hahn kann den Grundstein für ihren neuen Bauernhof legen. Hexenwahn und Schlesische Kriege entfalten ihre Schrecken. Der Soldatenkönig und der Alte Fritz marschieren auf. Viehseuchen, uneheliche Kinder und Selbstmörderinnen werden anschaulich und historisch genau geschildert. So waren etwa die Schweden im Siebenjährigen Krieg Preußens Verbündete, gebärdeten sich in Gottberg aber eher wie Besatzer. Im Preußisch-Österreichischen Krieg wurde der Ort zum Schlachtfeld. 1787 brannte Neuruppin. Keine Atempause, die Napoleonischen Kriege sorgten für Plünderungen und patriotische Aufwallungen. Väterchen Blücher wurde in der Kreisstadt bejubelt.
Urahn Ludwig Hahn zeigte zeichnerische Begabungen, ging bei einem Litographen in die Lehre und wurde Kolporteur der Neuruppiner Bilderbogen. Ein Erbschaftsstreit endete tödlich. Die Revolution von 1848 fand ihren Niederschlag im Bilderbogen und im Familienleben. 1870 stirbt Richard Hahn in der Schlacht bei Mars-la-Tour. Die Reichsgründung und die folgenden Gründerjahre werden leider ausgeblendet. Auch der Erste Weltkrieg passte wohl nicht ins Erzählkonzept.
Großvater Albrecht Hahn tritt auf, der seine "antisemitische" Schuld gleich selbst ausbreiten soll. Der ehrgeizige Dorfschullehrer war mit der Tochter einer jüdischen Berliner Kaufmannsfamilie verheiratet. Er begeisterte sich für den aufkommenden Nationalsozialismus und versuchte, die Ehefrau in sein naives Bild von "Volksgemeinschaft" mit herein zu nehmen. Dafür erklärte er sie zu einem Waisenkind unbekannter Herkunft und fälschte in diesem Sinne Kirchenbuch, Ortschronik und "Ahnenpass". Der Schwindel flog auf, beide Eheleute starben von eigener Hand.
Zweiter "Antisemit" in der Familie soll der Vater des Erzählers sein. Er heiratete eine lebenslustige Witwe, die ihm aus erster Ehe drei "halbjüdische" Kinder mitbrachte. Vater Hahn äußerte eine flapsige Bemerkung ("Judenbrut") im Schutz familiärer Privatsphäre, ohne seine angeheirateten Kinder je zu benachteiligen. Das Paar floh 1953 nach Westdeutschland, trennte sich und der Mann ging zurück in die DDR. Die Frau reichte die Scheidung ein, Begründung antisemitische Äußerungen des Mannes. Schreckliche bundesdeutsche Juristen bastelten daraus ein vernichtendes Scheidungsurteil und ließen es ihm in die DDR zustellen, was der Gatte nicht überlebte. War er deshalb ein "Antisemit"?
Viel interessanter fand ich die wirtschaftlichen Aspekte des Erzählten: dass man um 1840 plötzlich von Bilderbogen leben und eine Familie gründen konnte. Der kleine Reinhardt arbeitete 1959 in Krefeld als Zeitungsjunge mit BILD, HÖRZU und Neuer Illustrierter. (HÖRZU-Igel Mecki gab es auch als Comicbuch.) Ein paar Kapitel weiter erleben wir den gereiften Reinhardt als Geschäftsführer des zeitweise größten sachsen-anhaltischen Verlages. Ein Scheitern wird angedeutet - hier hätte ich gerne mehr erfahren.
Überhaupt liegt die Schwäche des Buches wohl darin, das der Autor es zu früh allgemeinpolitisch festgezurrt hat. Statt die Geschichten schweben zu lassen in den starken (auch abstoßenden) Kraftfeldern von Historie, Wirtschaft und Familie. Ich denke mir mal das ganze Polit-Geklingel weg und gebe dem Text satte fünf Punkte

Unbekannt
 

Historisch interessant

12. Januar 2019

Gut zu lesen. Viel gute historische Informationen. Bin auf die nächsten Bücher der Reihe gespannt.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. DDR-Bestsellerautor mit Kyritzer Vergangenheit legt neue Romane vor

Reinhardt O. Hahn aus Halle legt Band zwei und drei einer Tetralogie vor, die in weiten Teilen in Kyritz und im Ruppiner Land bis Gottberg spielt. In Kyritz hat er eine Zeit im Kinderheim verbracht

  1.  
  2.  
  1. Kyritz/Halle
  1. Reinhardt O. Hahn will’s noch mal wissen. Anknüpfen an die Zeit seines DDR-Bestsellers „Das letzte erste Glas“ von 1986, der ihm noch heute „Türen öffnet“, wie Hahn gesteht. Ein am Ende 2000-seitiges Geschütz fährt der mittlerweile 72-jährige Hallenser dazu auf.
  2. Genauer: Es sind ganze vier Romane, die als Tetralogie „Das gewöhnliche Bauwerk“ zusammengehören. Die Bücher spielen in weiten Teilen auch in Kyritz und im Ruppiner Land bis Gottberg beispielsweise. Denn die in seinem Leben erste prägende Zeit erlebte Hahn dort in den 1960ern – als Heimkind in Kyritz.
  3. Den Draht in die Kyritzer Heimat nie verloren

  4. Nach Band eins im vorigen Jahr („Was soll mir eure Schuld“) legte Hahn nun anlässlich der jüngst in Leipzig zu Ende gegangenen Buchmesse die Bände II („Das gewöhnliche Bauwerk“) und III („Die Zukunft war unser Land“) vor. Band vier („Das Paradies im Irrenhaus“) soll im Herbst folgen.
  5. „Bis dahin bin ich bestimmt auch mal wieder in der Region und veranstalte eine Lesung“, verspricht Hahn, der den Draht in die alte Heimat nie verlor. Denn jene, die 1964 in Kyritz die damalige Wilhelm-Pieck-Schule verließen, schafften es bisher, sich alle zwei Jahre dort wiederzusehen.
  6. Ein Deutschlandroman

  7. Die eigene Familiengeschichte regte Hahn zu seinem Werk an. Folglich spinnt es sich über Generationen und Jahrhunderte hinweg und liest sich am Ende wie ein „Deutschlandroman“ oder eben „Jahrhundertroman“, wie es so schön heißt.
  8. Der erste Band setzt sogar noch früher ein, im 17. Jahrhundert, und reicht bis zum frühen Faschismus, die Zeit des Ersten Weltkriegs und die 1920er Jahre. „Alles begann in Gottberg“, heißt es da etwa, als die Familie eingeführt wird. Walsleben, Kerzlin, Lüchfeld und so weiter sind vertreten.
  9. Es ist eine erzählte Chronik. Der Held, die autobiografische Figur Meinhardt Dehm, liest sie im Jahre 2010, als er zur Bestattung seiner Mutter ins Rheinland fährt.
  10. Bei einem Republikfluchtversuch geschnappt

  11. Hahn hatte die DDR im Juni 1953 als Kind mit seinen Eltern verlassen. Nach deren Scheidung kehrte er 1959 mit zwei Geschwistern und dem Vater in das Land zurück. Doch jener starb 1960. Und die Rückkehr zur Mutter blieb Hahn mit der Schließung der Grenze 1961 verwehrt. In „Das gewöhnliche Bauwerk“ wird diese Spaltung einer Familie in Ost- und Westdeutsche erzählt.
  12. Der 15-Jährige wurde kurz darauf bei einem Republikfluchtversuch geschnappt und in Kyritz ins Kinderheim gesteckt. So gelangte Hahn auch an die Pieckschule.
  13. Leuna, FDJ, SED und der Alkohol

  14. Nach der Zeit in Kyritz zog es Hahn zu den Leuna-Werken. Dem Aufstieg zum Schichtführer und FDJ-Funktionär und allerhand weiterer Posten folgte irgendwann ein Bruch samt SED-Parteiausschluss. Zwei Ehen und zwei Scheidungen später war er nur noch Alkoholiker.
  15. Dann habe erst die Literatur ihm wieder Halt im Leben gegeben. Den Kampf mit sich selbst gewann Hahn am 14. Januar 1982. Seither lebt er abstinent.
  16. Der 72-Jährige, der nach der Schule in die Region Halle zog, legte voriges Jahr die nun schon 14. Auflage von „Das letzte erste Glas“ vor. Es handele sich um die authentische Version ohne alle Abstriche, die ihm damals gemacht wurden, als das Thema Alkoholismus, um das es geht, derart aufbereitet noch ein krasses Tabu war.
  17. Figuren aus Verwandten, Freunden, Kollegen und Gefährten

  18. „Nach dem Mauerbau konzentriert sich die große Romanerzählung auf den Helden Dehm, der im Titel ,Die Zukunft war unser Land’ das sozialistische System erlebt, aber auch daran scheitert“, erklärt Reinhard Hahn.
  19. „Die Figuren, die aus Verwandten, Freunden, Kollegen und Gefährten in der Arbeit und im Leben bestehen, breiten sich in den ersten drei Bänden aus. Ein Panorama des Scheiterns und Gelingens, Wege in den Systemen selbst brechen ab und enden, neue Perspektiven werden aufgenommen, um Alltag und Leben zu bewältigen.“
  20. 30 Jahre Mauerfall als Termin für Band 4

  21. Dass nun auch der vierte Band „Das Paradies im Irrenhaus“ bis zum Herbst geschafft sein soll, hat seinen Grund: Am 9. November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. In dem Band geht es schließlich um die weiteren Jahre von diesem Zeitpunkt an bis in die Gegenwart.
  22. Wie Verleger Hahn einst selbst gründet dann auch seine Hauptfigur Dehm ein Unternehmen. Er scheitert, steht aber wieder auf – wie so viele.
  23. Hahn: „Die Tetralogie erklärt es oder sie versucht es zu zeigen, was eigentlich in den letzten 400 Jahren mit Menschen geschehen ist. Erzählungen in den Romanen lassen die Deutsche Geschichte von 1638 bis 2015 aufleben.“ Und auch am Ende sollen Kyritz und das Ruppiner Land wieder dabei sein.
  24. Band II (ISBN 978-3-946169-30-7) und Band III (ISBN 978-3-946169-24-6) sind ab 16. April im Buchhandel zu haben.
  25. Von Matthias Anke

 

Gottfried Wollboldt

 

Staatsbesuch! Trump als erster Ausländer beim

ReiWa – Kaiser        
Erster Tag   26.5.2019

Gestern kam Trump an und Abe hat ihn mit einer modernen Teezeremonie eingestimmt. Mich interessiert ob auch in Deutschland darüber berichtet wurde und wie.
Die Teezeremonie wich etwas von der Traditionellen ab, aber Sinn und Zweck entsprach der alten: Teezeremonien wurden vor Verhandlungen durchgeführt, um beide Parteien auf friedliche Gesinnung einzustimmen. Die unterschiedlichen Standpunkte bei den Gesprächen sollten nicht persönlich genommen werden, die ablehnenden Gefühle, die sie erzeugten, sollte jeder zügeln, damit etwas herauskommen könnte, das allen nützlich sein würde.

Abes Teezeremonie begann ohne Tee  auf dem Golfplatz. Kennt ihr die beiden? Ich habe das Bild vom TV abfotographiert, das Ereignis wurde nicht von breitem Publikum begleitet, sondern nur von der NHK. Eigentlich sollte es das wichtigste Thema des Tages sein, aber es gab noch ein wichtigeres, das zuerst gezeigt wurde, nämlich ein Wetterphänomen. In Hokkaido, den Nordosten Japans, wurden Temperaturen von 39°C gemessen, den höchsten, die je gemessen wurden. Es gab sogar Leute, die auf der Strasse tot umgefallen sind.

Der zweite Akt der Teezeremonie fand mitten in Tokio statt, Abe hatte die Trumps in ein normales Restaurant zum Mittagessen eingeladen, mitten in Tokio, es war kein typischen Soba-Restaurant, eines das bekannt war für leckeres typisch japanisches Essen. Das Publikum musste draußen bleiben und erwartete die Ankunft der hohen Gäste vor dem Eingang.
Das Bild zeigt  Trump und Abe mit ihren Frauen beim Essen.

 

Akt 3 der Teezeremonie begann nach dem Essen in einer Sporthalle beim Zusehen eines Sumo-Kampfes, den dicken Kämpfern in Seidenhosen, die schon in der „Chronik für alte Angelegenheiten – Nihohshoki“ erwähnt werden als Vorkämpfer, wie David und Goliat in der Bibel.

Das nächste Foto zeigt Trump bei der Übergabe eines Pokals an den Sieger der gerade zu Ende gegangenen Kampfsaison.


Dieses Ereignis sollte daran erinnern, dass die Geschichte Amerikas mit Japan noch einen anderen Aspekt hat als die Geschichte  Europas  mit Japan. Bevor Perry in Japan ankam, gab es bereits eine Menge von positiven Beziehungen zwischen beiden Staaten, die zusammenhängen mit aus Japan abgedrifteten Fischern und Schiffern, die den Weg zurückgefunden hatten und in Japan hohe Bildungsstätten gründeten.
Der zweite Besuchstag begann mit dem Antrittsbesuch Trumps beim Kaiser.
Der Kaiser ist einen Kopf kleiner als Trump, ähnlich dem Foto von MacArthur und  dem Kaiser Hirohito, was Japaner nicht so gerne mögen.

Autor F. Wollboldt  Japan

Nils Wiesner

 

Lieber Reinhardt,

zuallererst danke ich Dir für Dein Buch. Es ist schon manchmal seltsam, was für Wege die Postillione des Lebens nehmen, um anderen Bücher oder Lebensweisheiten zukommen zu lassen. Ich weiß nicht, ob Ulli Dir erzählt hat, dass ich das Buch in meinen letzten Urlaub mitnehmen wollte. Doch dann musste es einem weichen, der seine Sucht nicht in den Griff bekommen hat: Über den Dächern von Barcelona habe ich die neueste Fallada-Biographie gelesen.

Dich hatte ich daraufhin auf den Stapel gelegt, auf dem ich schon meine Bergsachen sammle, doch bei Bergurlauben nimmt man doch lieber nur unter einhundert Gramm Reclam mit anstelle von 565g ROCH. Also habe ich Dich jetzt sofort gelesen, bevor ich mich für den beinahe kompletten November in die Wildnis verabschiede. Und Du hast mir eine Woche kritische Unterhaltung beschert. Auch dafür noch einmal Danke.

Ich glaube, ich habe es richtig gemacht, und erst das Buch und dann sozusagen als Zusammenfassung den Umschlag gelesen. Sorum war es besser. Es wäre zu viel im Voraus verraten worden, das sich mir als Leser ja erst im Laufe der Lektüre erschließen soll. Wobei ich natürlich so getan habe, als hättest Du mir nie verraten, worum es in dem Buch geht. Zumal das, womit Du auf dem Umschlag wirbst, ja nur lapidar auf ein paar wenigen Seiten abgehandelt wird. Es ist also nur die notwendige Erklärung für den flüchtigen Leser…

Ich glaube, ich war nicht flüchtig, schon alleine, weil ich immer mal wieder bei Formulierungen und Satzbauten überlegt habe, wie ich das umstellen würde. Wenn man so etwas erst einmal begonnen hat, wird man diese Angewohnheit schwer wieder los. Und ich habe ja inzwischen auf diese Art schon mehrere Bücher mit Texten von mir und anderen Autoren herausgebracht. Andererseits erhöht so etwas wohl auch die Lust, sich tiefergehend mit Literatur zu beschäftigen.

Was soll ich Dir schreiben? Das erste, was ich gelesen habe, war die Voranstellung, die Handlung dieses Romans sei frei erfunden usw. usf., aber dafür kamen dann doch zu viele Dinge vor, die stimmten, als dass ich Dir das tatsächlich abkaufen konnte. Also habe ich immer mit einem gewissen Misstrauen gelesen. Wie viel ist wirklich frei erfunden? In wie weit willst Du nur irgendwelchem Gezänk aus dem Wege gehen, weil andere sich oder Angehörige wiedererkennen? Wie sehr wolltest Du Dir die Hintertür offenlassen, im geschichtlichen Teil die Geschichte zu Deinem Zweck zurechtzubiegen?

Drei Viertel des Buches in einem Stil zu schreiben wie ein einfacher Dorflehrer, der seine eigene Familienchronik zusammenstellt, ist ein mutiges Unterfangen! Ich habe ein paar Seiten gebraucht, um mich damit zu arrangieren. Die kurzen Sätze, die zum Teil profanen Bemerkungen, das ist schon speziell und ringt mir im Nachhinein Respekt ab, obwohl ich mir beim Lesen einen ganz anderen Stil gewünscht hätte. Strittmatters Dorfidylle zum Beispiel. In Worten und in Eindrücken baden, Bilder erstehen lassen usw. Aber das war ja nicht Deine Absicht. Es hätte auch die Figuren plastischer und unterscheidbarer gemacht über die Jahrhunderte hinweg, aber es hätte wohl auch den Rahmen gesprengt. Also ist es so, wie es ist, wohl richtig. Trotzdem bleiben Strittmatter und Fühmann auf diesem Gebiet meine Helden, und der Mittelteil für sich hätte ein gutes Buch werden können, hätte dann aber sicher eine vollkommen andere Aussage gehabt.

Hintenraus endet das Buch, wie es vornerein begann: so sehr voller Probleme, dass es kein Ponyhof ist, sondern karge, bittere, märkische Erde. Wozu dieser lange, lange Mittelteil, habe ich mich immer wieder gefragt. Geduldigen Lesern wird die Antwort dann allerdings nicht vorenthalten, man braucht nur einen langen Atem. Es war schön, so durch die Jahrhunderte zu reisen, Lokalkolorit aufzusaugen, Landluft zu atmen, etwas über einen Landstrich zu erfahren, der ein wenig abseitig ist (für meinen Horizont), aber genauso tief getränkt ist mit Blut- und Boden-Geschichte wie jede andere Ecke Preußens auch, so dass es nie langweilig wird. Im Nachhinein war mir dieser mittlere Teil wichtiger, und vielleicht auch interessanter, als Deine unmittelbare Familiengeschichte. Zum Schluss hin kam ich mir eher wie ein Voyeur vor. Aber will ich einer sein? Eher nicht. Will ich mir Schuld aufladen lassen? Auch das nicht. Das hat man in der DDR ausreichend versucht, als man mir ein schlechtes Gewissen einreden wollte, weil meine Großvatergeneration Scheiße gebaut hat. Das hatte ich da schon nicht haben wollen, denn daran war ich definitiv nicht schuld gewesen. Insofern ist mir Dein Buch eine Bestätigung, dass ich mit meiner ablehnenden Haltung nicht alleine stehe, und das ist gut so. Es ist auch gut, das öfter mal öffentlich zu sagen. Insofern ist das Buch richtig. Aber ich habe in dieser Hinsicht längst Frieden mit mir selber gemacht, habe mit Fünfzig öffentlich erklärt, dass ich nur noch das mache, was mir wirklich Spaß macht, und dass man mir ansonsten den Buckel runterrutschen kann. Ich hätte auch ein paar Leichen im Keller, und habe mich gefragt, ob ich sie aufwecken soll wie Du, oder ob ich sie schlafen lasse. Du hast Deine wachgemacht, weil Du wahrscheinlich gar nicht anders konntest. Respekt! Ich lebe in Frieden, weil ich meine schlafen lasse. Die Gegenwart ist widerwärtig genug. Einerseits bodenlose Ignoranz, andererseits unmotivierter Hass, und dazwischen der komplette Irrsinn. Ich lese nach wie vor Märchen gerne, und alles, was zur Zeit abläuft, bestärkt mich darin, es auch weiterhin zu tun und auf möglichst hohe und möglichst weit entfernte Berge zu klettern.

In diesem Sinne mit den besten Grüßen,

Nils.

 

Gästebuch

In eigener Sache: Der Wert einer literarischen Idee, um die Welt wahrhaftig erklären zu können, ist der Wirklichkeit des berichtenden Publizisten / Journalisten gewichen. Es scheint, wir brauchen keine Poesie mehr. Wir benötigen aus dem Trauma des Überlebens heraus den Schrecken der Wirklichkeit. Ständige Bedrohungen und Ängste, sie sind das neue Elexier der Vorstellungen und Träume geworden. Aus dieser Quelle speist sich der neue Mensch, der einen neuen Sinn zur Wahrnehmung entwickelt hat, den digitalen..., während die anderen Sinne verkümmern.

 

 

Volker Dietzel

 

Lieber Reinhardt,

der Grund, warum ich, zum Beispiel, schreibe, ist, dass ich gerne etwas Bestimmtes lesen möchte, es das aber noch nicht gibt. Wenn es kein anderer tut, dann muss man es eben selber machen.

Dein Roman „Was soll mir Eure Schuld“ hat mir aus mehreren Gründen gefallen. Einer ist, dass ich mich entspannt zurücklehnen und einfach lesen konnte, was auch mich – in meinem Alter – so umtreibt.

Gabriel Garcia Marquez mit seinen „Hundert Jahre Einsamkeit“ fällt mir ein, aber der ist halt in seinem Realismus magisch und sehr lateinamerikanisch. Du konzentrierst dich auf das, wovon Du etwas verstehst: einmal das eigene Leben, die eigene Familie und die Gesellschaft, in der man mehr oder weniger zu Hause ist, auf der anderen Seite bist Du ästhetisch auf wohlvertrautem und heimatlichem (darf ich sagen: Leipziger?) Boden. Die Spannung zwischen der sparsamen Ökonomie der Worte und dem Schwelgen in Details, das ist clever gemacht.

Hab vielen Dank, Dein

Volker

P.S. Den Detlef Färber-Artikel habe ich gelesen. Gut so. Es geht nix über eine positive Presse. Ich meine, Färber hat Dein Buch nicht gelesen (mit Büchern hat er es auch nicht so), aber er war gern bereit, alles, was Du ihm in den Block diktiert hast, so ungefähr und mit Enthusiasmus wiederzugeben. Was kann man von der MZ mehr verlangen?

P.P.S. Und hier, wie versprochen, die 1½ Errata:

Auf Seite 8 heisst es: „Aus den wenigen Erzählungen von ihr wusste ich, dass sie den Abschluss einer Vollkrankenschwester in einem Berliner Krankenhaus absolviert hatte.“ Etwas „absolvieren“ assoziiert in Mitteldeutschland sprachlich einen Zeitraum. Der Abschluss ist indes ein Punkt in der Zeit. Der Duden meint zwar, dass absolvieren auch „eine Prüfung bestehen“ bedeuten kann, aber diese Lesart kenne ich nur von den alten österreichischen Autoren Joseph Roth, Leo Perutz und Gustav Meyrink. Du hast also eigentlich Recht, aber in Mitteldeutschland klingt das irgendwie nicht.

Auf Seite 127 heisst es: „Ostprignitz, das einem Fass ohne Boden glich und aus dem man ungeniert und immer wieder schöpfen konnte.“ Die Metapher vom Fass ohne Boden meint den gegenteiligen Vorgang, dass man nämlich hineinschüttet und hineinschüttet und das Gefäss füllt sich nicht. Ein Gefäss, aus dem man immer wieder schöpfen kann, wäre, um bei einer Metapher zu bleiben, der Topf mit dem süssen Brei (was wiederum zum philosophischen Bild von Goethes Zauberlehrling führt). Dein Bild vom Fass ohne Boden, aus dem alles, was man oben hineingiesst, sofort unten wieder herausläuft und man trotzdem ungeniert weiter oben herausschöpfen kann, ist schon sehr gewagt. Du meinst, wenn ich interpretieren darf, dass der Landadel und der Fiskus das ausgepresste Land immer wieder und weiter auspressen kann, weil Ackerfrucht und Vieh immer wieder nachwächst und/oder hinter dieser und jener Scheune immer noch ein versteckter Sack Korn zu erschnüffeln und zu beschlagnahmen ist.

 

Volker Dietzel
 
 
 

Nochmals Niels Wiesner

 

Lieber Reinhardt,

zuallererst danke ich Dir für Dein Buch. Es ist schon manchmal seltsam, was für Wege die Postillione des Lebens nehmen, um anderen Bücher oder Lebensweisheiten zukommen zu lassen. Ich weiß nicht, ob Ulli Dir erzählt hat, dass ich das Buch in meinen letzten Urlaub mitnehmen wollte. Doch dann musste es einem weichen, der seine Sucht nicht in den Griff bekommen hat: Über den Dächern von Barcelona habe ich die neueste Fallada-Biographie gelesen.

Dich hatte ich daraufhin auf den Stapel gelegt, auf dem ich schon meine Bergsachen sammle, doch bei Bergurlauben nimmt man doch lieber nur unter einhundert Gramm Reclam mit anstelle von 565g ROCH. Also habe ich Dich jetzt sofort gelesen, bevor ich mich für den beinahe kompletten November in die Wildnis verabschiede. Und Du hast mir eine Woche kritische Unterhaltung beschert. Auch dafür noch einmal Danke.

Ich glaube, ich habe es richtig gemacht, und erst das Buch und dann sozusagen als Zusammenfassung den Umschlag gelesen. Sorum war es besser. Es wäre zu viel im Voraus verraten worden, das sich mir als Leser ja erst im Laufe der Lektüre erschließen soll. Wobei ich natürlich so getan habe, als hättest Du mir nie verraten, worum es in dem Buch geht. Zumal das, womit Du auf dem Umschlag wirbst, ja nur lapidar auf ein paar wenigen Seiten abgehandelt wird. Es ist also nur die notwendige Erklärung für den flüchtigen Leser…

Ich glaube, ich war nicht flüchtig, schon alleine, weil ich immer mal wieder bei Formulierungen und Satzbauten überlegt habe, wie ich das umstellen würde. Wenn man so etwas erst einmal begonnen hat, wird man diese Angewohnheit schwer wieder los. Und ich habe ja inzwischen auf diese Art schon mehrere Bücher mit Texten von mir und anderen Autoren herausgebracht. Andererseits erhöht so etwas wohl auch die Lust, sich tiefergehend mit Literatur zu beschäftigen.

Was soll ich Dir schreiben? Das erste, was ich gelesen habe, war die Voranstellung, die Handlung dieses Romans sei frei erfunden usw. usf., aber dafür kamen dann doch zu viele Dinge vor, die stimmten, als dass ich Dir das tatsächlich abkaufen konnte. Also habe ich immer mit einem gewissen Misstrauen gelesen. Wie viel ist wirklich frei erfunden? In wie weit willst Du nur irgendwelchem Gezänk aus dem Wege gehen, weil andere sich oder Angehörige wiedererkennen? Wie sehr wolltest Du Dir die Hintertür offenlassen, im geschichtlichen Teil die Geschichte zu Deinem Zweck zurechtzubiegen?

Drei Viertel des Buches in einem Stil zu schreiben wie ein einfacher Dorflehrer, der seine eigene Familienchronik zusammenstellt, ist ein mutiges Unterfangen! Ich habe ein paar Seiten gebraucht, um mich damit zu arrangieren. Die kurzen Sätze, die zum Teil profanen Bemerkungen, das ist schon speziell und ringt mir im Nachhinein Respekt ab, obwohl ich mir beim Lesen einen ganz anderen Stil gewünscht hätte. Strittmatters Dorfidylle zum Beispiel. In Worten und in Eindrücken baden, Bilder erstehen lassen usw. Aber das war ja nicht Deine Absicht. Es hätte auch die Figuren plastischer und unterscheidbarer gemacht über die Jahrhunderte hinweg, aber es hätte wohl auch den Rahmen gesprengt. Also ist es so, wie es ist, wohl richtig. Trotzdem bleiben Strittmatter und Fühmann auf diesem Gebiet meine Helden, und der Mittelteil für sich hätte ein gutes Buch werden können, hätte dann aber sicher eine vollkommen andere Aussage gehabt.

Hintenraus endet das Buch, wie es vornerein begann: so sehr voller Probleme, dass es kein Ponyhof ist, sondern karge, bittere, märkische Erde. Wozu dieser lange, lange Mittelteil, habe ich mich immer wieder gefragt. Geduldigen Lesern wird die Antwort dann allerdings nicht vorenthalten, man braucht nur einen langen Atem. Es war schön, so durch die Jahrhunderte zu reisen, Lokalkolorit aufzusaugen, Landluft zu atmen, etwas über einen Landstrich zu erfahren, der ein wenig abseitig ist (für meinen Horizont), aber genauso tief getränkt ist mit Blut- und Boden-Geschichte wie jede andere Ecke Preußens auch, so dass es nie langweilig wird. Im Nachhinein war mir dieser mittlere Teil wichtiger, und vielleicht auch interessanter, als Deine unmittelbare Familiengeschichte. Zum Schluss hin kam ich mir eher wie ein Voyeur vor. Aber will ich einer sein? Eher nicht. Will ich mir Schuld aufladen lassen? Auch das nicht. Das hat man in der DDR ausreichend versucht, als man mir ein schlechtes Gewissen einreden wollte, weil meine Großvatergeneration Scheiße gebaut hat. Das hatte ich da schon nicht haben wollen, denn daran war ich definitiv nicht schuld gewesen. Insofern ist mir Dein Buch eine Bestätigung, dass ich mit meiner ablehnenden Haltung nicht alleine stehe, und das ist gut so. Es ist auch gut, das öfter mal öffentlich zu sagen. Insofern ist das Buch richtig. Aber ich habe in dieser Hinsicht längst Frieden mit mir selber gemacht, habe mit Fünfzig öffentlich erklärt, dass ich nur noch das mache, was mir wirklich Spaß macht, und dass man mir ansonsten den Buckel runterrutschen kann. Ich hätte auch ein paar Leichen im Keller, und habe mich gefragt, ob ich sie aufwecken soll wie Du, oder ob ich sie schlafen lasse. Du hast Deine wachgemacht, weil Du wahrscheinlich gar nicht anders konntest. Respekt! Ich lebe in Frieden, weil ich meine schlafen lasse. Die Gegenwart ist widerwärtig genug. Einerseits bodenlose Ignoranz, andererseits unmotivierter Hass, und dazwischen der komplette Irrsinn. Ich lese nach wie vor Märchen gerne, und alles, was zur Zeit abläuft, bestärkt mich darin, es auch weiterhin zu tun und auf möglichst hohe und möglichst weit entfernte Berge zu klettern.

In diesem Sinne mit den besten Grüßen,

Nils.

 

Karin Sorkalla

Ich bin überrascht, mit welch sehr interessanten, unbekannten kaum je irgendwo gelesenen Bildern Du Eindrücke, Empfindungen, Abläufe und Landschaften schilderst, einem nahe bringst und verständlich machst. Entgegen meiner eigenen glatten, herunter leiernden Sprache gelingt es Dir, sofort etwas Neues, Ungewohntes in Literatur zu verwandeln, wie man es nicht gewöhnt ist. Während Du Erinnerungen, Familiäres, eigenes und fremdes Erleben und sonderbaren Gedankengängen nachgehst , fallen Dir, wie soll man das benennen, Maximen, Lebenssichten kleine Erkenntnisse und Sinnsprüche dazwischen, dass einem vor Staunen der Mund offen steht, mal etwas unlyrisch ausgedrückt….

 

Ich habe ein solches – vielleicht zeitloses- interessantes Gemisch aus Erinnerungen, Zeitabläuften und Befindlichkeiten eigentlich noch nirgendwo gelesen, nicht bei Heinrich Mann, meinem Lieblingsautor, noch bei Grass, der ja noch aktuell ist, auch wenn er das nicht mehr ist.

 

Am Anfang fällt es schwer, mit Deiner verworrenen Familiengeschichte klarzukommen und die richtige Reihung zu finden, das sage ich aber nicht als Kritik, auch das gehört eigentlich zu Deiner Art zu schreiben. Vieles bleibt vorerst unklar, es wird sich, so denke ich, allmählich entwirren und sich ordnen. Und es macht Lust, weiter zu lesen und letztendlich den Kern zu finden. Wenn es denn den auch gibt, was ich stark annehme.

 

Also ich bin erstaunt und begeistert. Vor allem, weil ich schon lange mit mir und meiner glatten nichtssagenden Sprache hadere und manchen Versuch gemacht habe, meiner Sprache zu entrinnen, wie zum Beispiel in der Geschichte „Das Wort“. Aber mehr noch mit meinen historischen Büchleins, die ich aus den alten Akten von Golberode geschrieben habe. Ich habe dort versucht, in Ichform mich in der alten Sprache zu versuchen. Das hat mir Spaß gemacht und manches in mir selber gelockert, aber mich nicht wesentlich frei gemacht. Also deshalb schon mal meine Hochachtung.

 

Ich könnte natürlich jetzt sagen, dass sicher die Brüche in Deiner tragischen, aber auch interessanten Lebensgeschichte einen wesentlichen Anteil an dem außergewöhnlichem Umgang mit der Sprache haben. Und natürlich auch die verwirrenden Träume, die dem Alkohol geschuldet waren, oder eher zu verdanken sind. Dieses Ausbrechen aus dem glatten und soliden Leben einer Normalperson wie ich es bin. Ich bin zwar auch durch einiges gegangen, aber sicher nicht durch Dein Gemisch von Überschwang und Hölle.

 

So, nun ist es genug mit Schwärmerei, noch ein kurzes Wort zu Fehlern, zu inhaltlichen kann ich nichts sagen, zunächst, da ich noch nicht alles gelesen habe. Mit einigen Aussagen kann ich mich sicher nicht anfreunden, aber auch da muss ich erst alles gelesen haben, und ich muss ja auch nicht über alles genau so denken, wie Du. Das kann ja gar nicht sein und ist ja auch gar nicht gewollt.

Es gibt eine ganze Reihe kleiner Fehler bei falschen oder fehlenden Endbuchstaben. Aber die auszumerzen ist eine Hundearbeit, weil man gerade diese falschen Endbuchstaben einfach überliest. Wer das machen sollte, weiß ich nicht. Gibt es dazu einen Lektor? Es sind ja nur Faselfehler, nichts Wichtiges.

 

Hach, nun bleibt mir nur, Dir zu gratulieren für Deine Art zu schreiben. Ich bin begeistert. Ob ich es am Ende vom Inhalt auch sein werde, sei jetzt mal dahin gestellt. Ich kann mich jedenfalls nicht an Dir messen. Da ist meine Sprache zu glatt und unneugierig.

 

Liebe Grüße von der Karin aus der Provinz

 

 

 

Gesendet von SuitBert.

Eisleben, 24. Januar 2015. Ich erlebe das Ende einer Verlags GmbH, meines Verlages. Das Ende eines Bücherfreundes. Das Ende? Der Bücherfreund geht, aber er gibt nicht auf. In den Räumen sieht es wüst aus, wie nach einem vandalistischen Einbruch. Leere Regale, alles rausgeräumt, der Boden bedeckt mit Massen von neuen Büchern. Gerettetes in Kisten, gestapelt auf dem Boden. Ein ganzes Lager, geordnete Kolonnen, die schweigend auf den Vernichter, den Schredder warten, der in zwei Tagen kommt. Büchervernichtung. Welch ein dunkles Zeichen im funkelnden Kosmos der Kultur. Eine Stimme, eine Saatfurche weniger. Ein Hundertfaches an Schweigen mehr. Das reiszen die Groszen des Geschäfts mit der Literatur nicht raus. Inhaber von Monokulturen des Geschmacks, den man auf Schreibeakademien erlernt wie das Ackern mit Traktoren. Lauter Agroliteratur. Ausgelaugter Boden, Überdüngung des Geschmacks. Vereinheitlichung der Ernte wie bei Mais oder Weizen. Zuchterfolge. Abgeerntete, kahle übersäuerte Felder danach. Buchstabengentechnik. – Wo immer die Gründe für das Versagen liegen mögen, die einen Verlag zur Aufgabe zwingen, es ist ein Zeichen von fortschreitender kultureller Kachexie in bläulicher Atemnot und mühsam abgehustetem Auswurf. Der Arzt sagt: Finalstadium, allenfalls Sedierung. Und Vorsicht vor Kontakten. Eine Epidemie? Dann legt die Schutzanzüge an! Desinfektion! Desinfektion! Heilung in einem besseren Klima? Zauberberge? Wunderwirksame Bekenntnisse? Nichts davon. Das Klima stimmt nicht. Die Saat und ihre Früchte werden dort, wo sie noch aufgegangen sind, halbreif mit gewaltigen Erntemaschinen namens Long- und Short-Lists oder anderen Preisrobotern eingeholt. Zurück bleiben kahle Flächen voller Abraum, untergepflügt, vergüllt. Wo bleibt der Regen? Die Themen trocknen aus. Genetisch manipulierte Hypes, fickbare sterile Moden, eingedampft zu Weihrauch vor den Altären des festlichen Betriebs. Die Messen voll geschickt verpackt präsentierter Produkte strotzen von gepriesenen Normerzeugnissen. Fern, sehr fern steht der staunende, verschmutzte Bauer in den Feldern seines literarischen Kleinbetriebs, dieser um seine innere Stimmigkeit ringende Bücheranbauer, der es nicht auf die groszen Märkte schafft, aber eine Kundschaft hat, an die er gute Dinge verkauft. Er lebt. Ein Ideal? Hochjubelei des nahen, vertrauten Marktes? Vergrünung des Verdorrenden? Fantasien von Dennoch und Widerstand? – Vergessen wir solche verschrägten Attitüden. Ein Bauer sieht seinem Ende zu. Ich bin traurig über einen Verlust. Eine Feldfläche weniger. Da sind noch Säcke voll Saatgut. Er schleppt sie fort. Wo geht er hin? Wo ist sein Hoffnungsacker? Er gibt nicht auf. Ein Bild: er steht da zwischen den geleerten Regalen wie ein besiegter König, der seine Krone nicht hergibt. Kein Unterlegener. Eher ein Aufersteher, ein Widerständler, ein So-stehe-ich-hier-ich-kann-nicht-anders. Ein anhaltinischer Kohlhaas. Verpfändete Druckmaschinen, verpackt für den Abtransport, Inventar von Büros und Geschäft, überall Entleerung, Zeichen von Hoffnungslosigkeit und Aufgebenmüssen, Reste von Büchern, wirklich schönen Büchern. Ein letztes Mahl. Coffee to go, McDonalds-Tüten, Cola light. Alles im Stehen. Dann ist Schluss. – Ich habe den Rest meiner Bücher eingepackt. Es ist kalt. Ich fahre los. Auf der Autobahn beginnt es zu schneien. Die Lichter blenden. Meine Auge schmerzen. Nachrichten. Wieder Hunderte von Toten. Kindersoldaten. Verschleppte Frauen. Was bewirken Bücher? Wozu das Gedicht? Die Strasze wird langsam weisz. Blinkende Streufahrzeuge. Salz klirrt an das Auto. Ich erschrecke. Im Kofferraum liegen meine Bücher. Ich habe über ein paar unwichtige Dinge geschrieben. Die muss ich nach Hause bringen. Der Kohlhaas aus Eisleben hat sie gedruckt. Nun werde ich die Reste irgendwo unterstellen. Und weiter? Wie soll ich wissen, wohin sie gehen, wenn ich nicht weisz, woher sie kamen? Mein Sehvermögen ist begrenzt. Vergangene Ideale. Gegenwärtige Unzulänglichkeiten. Zukünftige Fragestellungen. Wie kann man da weiterkommen? Aber das Schreiben und das Veröffentlichen geht weiter. Es ist etwas, was nicht zu unterdrücken ist. Das verselbstete Selbst. Daran halte ich fest. Mitten in dessen Auflösung.

 

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