Projekte Verlag Hahn
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Gästebuch

In eigener Sache: Der Wert einer literarischen Idee, um die Welt wahrhaftig erklären zu können, ist der Wirklichkeit des berichtenden Publizisten / Journalisten gewichen. Es scheint, wir brauchen keine Poesie mehr. Wir benötigen aus dem Trauma des Überlebens heraus den Schrecken der Wirklichkeit. Ständige Bedrohungen und Ängste, sie sind das neue Elexier der Vorstellungen und Träume geworden. Aus dieser Quelle speist sich der neue Mensch, der einen neuen Sinn zur Wahrnehmung entwickelt hat, den digitalen..., während die anderen Sinne verkümmern.

Ich habe das Gästebuch gesperrt. Es bringt nichts. Nach einigen Wochen sammeln sich Spams und Kränkungen und auch Beleidigungen. Es geht einfach nicht.

 

Halle - kulturvoll abreisen!
Genscher und Händel haben es vorgemacht. Arno Schmidt und Werner Bräunig hätten es gern nachgemacht. Und Willy Brandt hat Phillip Müller gezeigt, wie schnell es gehen kann: Raus aus Halle!
Reisen Sie mit Autor Volker Dietzel aus seiner Heimatstadt ab. In alle Himmelsrichtungen. Und genießen Sie dabei eine sehr versteckte Liebeserklärung in Buchform an verstorbene, ver-triebene, verzogene, verkannte oder vergessene Berühmtheiten. Ein Buch voller witziger und erstaunlicher Details über weltbe-kannte Hallenser. So böse bezaubernd, dass Sie fast vergessen, die Saalestadt fluchtartig zu verlassen.
Sie kennen die Stadt Halle gar nicht? Erfahren Sie, warum. Sie lieben Halle? Erspüren Sie den Unterschied zwischen Liebe und Gewohnheit.
Sie leben in Halle? Herzlichen Glückwunsch.

 

Lieber Reinhardt,

der Grund, warum ich, zum Beispiel, schreibe, ist, dass ich gerne etwas Bestimmtes lesen möchte, es das aber noch nicht gibt. Wenn es kein anderer tut, dann muss man es eben selber machen.

Dein Roman „Was soll mir Eure Schuld“ hat mir aus mehreren Gründen gefallen. Einer ist, dass ich mich entspannt zurücklehnen und einfach lesen konnte, was auch mich – in meinem Alter – so umtreibt.

Gabriel Garcia Marquez mit seinen „Hundert Jahre Einsamkeit“ fällt mir ein, aber der ist halt in seinem Realismus magisch und sehr lateinamerikanisch. Du konzentrierst dich auf das, wovon Du etwas verstehst: einmal das eigene Leben, die eigene Familie und die Gesellschaft, in der man mehr oder weniger zu Hause ist, auf der anderen Seite bist Du ästhetisch auf wohlvertrautem und heimatlichem (darf ich sagen: Leipziger?) Boden. Die Spannung zwischen der sparsamen Ökonomie der Worte und dem Schwelgen in Details, das ist clever gemacht.

Hab vielen Dank, Dein

Volker

P.S. Den Detlef Färber-Artikel habe ich gelesen. Gut so. Es geht nix über eine positive Presse. Ich meine, Färber hat Dein Buch nicht gelesen (mit Büchern hat er es auch nicht so), aber er war gern bereit, alles, was Du ihm in den Block diktiert hast, so ungefähr und mit Enthusiasmus wiederzugeben. Was kann man von der MZ mehr verlangen?

P.P.S. Und hier, wie versprochen, die 1½ Errata:

Auf Seite 8 heisst es: „Aus den wenigen Erzählungen von ihr wusste ich, dass sie den Abschluss einer Vollkrankenschwester in einem Berliner Krankenhaus absolviert hatte.“ Etwas „absolvieren“ assoziiert in Mitteldeutschland sprachlich einen Zeitraum. Der Abschluss ist indes ein Punkt in der Zeit. Der Duden meint zwar, dass absolvieren auch „eine Prüfung bestehen“ bedeuten kann, aber diese Lesart kenne ich nur von den alten österreichischen Autoren Joseph Roth, Leo Perutz und Gustav Meyrink. Du hast also eigentlich Recht, aber in Mitteldeutschland klingt das irgendwie nicht.

Auf Seite 127 heisst es: „Ostprignitz, das einem Fass ohne Boden glich und aus dem man ungeniert und immer wieder schöpfen konnte.“ Die Metapher vom Fass ohne Boden meint den gegenteiligen Vorgang, dass man nämlich hineinschüttet und hineinschüttet und das Gefäss füllt sich nicht. Ein Gefäss, aus dem man immer wieder schöpfen kann, wäre, um bei einer Metapher zu bleiben, der Topf mit dem süssen Brei (was wiederum zum philosophischen Bild von Goethes Zauberlehrling führt). Dein Bild vom Fass ohne Boden, aus dem alles, was man oben hineingiesst, sofort unten wieder herausläuft und man trotzdem ungeniert weiter oben herausschöpfen kann, ist schon sehr gewagt. Du meinst, wenn ich interpretieren darf, dass der Landadel und der Fiskus das ausgepresste Land immer wieder und weiter auspressen kann, weil Ackerfrucht und Vieh immer wieder nachwächst und/oder hinter dieser und jener Scheune immer noch ein versteckter Sack Korn zu erschnüffeln und zu beschlagnahmen ist.

 

Volker Dietzel
 
 
 

Lieber Reinhardt,

zuallererst danke ich Dir für Dein Buch. Es ist schon manchmal seltsam, was für Wege die Postillione des Lebens nehmen, um anderen Bücher oder Lebensweisheiten zukommen zu lassen. Ich weiß nicht, ob Ulli Dir erzählt hat, dass ich das Buch in meinen letzten Urlaub mitnehmen wollte. Doch dann musste es einem weichen, der seine Sucht nicht in den Griff bekommen hat: Über den Dächern von Barcelona habe ich die neueste Fallada-Biographie gelesen.

Dich hatte ich daraufhin auf den Stapel gelegt, auf dem ich schon meine Bergsachen sammle, doch bei Bergurlauben nimmt man doch lieber nur unter einhundert Gramm Reclam mit anstelle von 565g ROCH. Also habe ich Dich jetzt sofort gelesen, bevor ich mich für den beinahe kompletten November in die Wildnis verabschiede. Und Du hast mir eine Woche kritische Unterhaltung beschert. Auch dafür noch einmal Danke.

Ich glaube, ich habe es richtig gemacht, und erst das Buch und dann sozusagen als Zusammenfassung den Umschlag gelesen. Sorum war es besser. Es wäre zu viel im Voraus verraten worden, das sich mir als Leser ja erst im Laufe der Lektüre erschließen soll. Wobei ich natürlich so getan habe, als hättest Du mir nie verraten, worum es in dem Buch geht. Zumal das, womit Du auf dem Umschlag wirbst, ja nur lapidar auf ein paar wenigen Seiten abgehandelt wird. Es ist also nur die notwendige Erklärung für den flüchtigen Leser…

Ich glaube, ich war nicht flüchtig, schon alleine, weil ich immer mal wieder bei Formulierungen und Satzbauten überlegt habe, wie ich das umstellen würde. Wenn man so etwas erst einmal begonnen hat, wird man diese Angewohnheit schwer wieder los. Und ich habe ja inzwischen auf diese Art schon mehrere Bücher mit Texten von mir und anderen Autoren herausgebracht. Andererseits erhöht so etwas wohl auch die Lust, sich tiefergehend mit Literatur zu beschäftigen.

Was soll ich Dir schreiben? Das erste, was ich gelesen habe, war die Voranstellung, die Handlung dieses Romans sei frei erfunden usw. usf., aber dafür kamen dann doch zu viele Dinge vor, die stimmten, als dass ich Dir das tatsächlich abkaufen konnte. Also habe ich immer mit einem gewissen Misstrauen gelesen. Wie viel ist wirklich frei erfunden? In wie weit willst Du nur irgendwelchem Gezänk aus dem Wege gehen, weil andere sich oder Angehörige wiedererkennen? Wie sehr wolltest Du Dir die Hintertür offenlassen, im geschichtlichen Teil die Geschichte zu Deinem Zweck zurechtzubiegen?

Drei Viertel des Buches in einem Stil zu schreiben wie ein einfacher Dorflehrer, der seine eigene Familienchronik zusammenstellt, ist ein mutiges Unterfangen! Ich habe ein paar Seiten gebraucht, um mich damit zu arrangieren. Die kurzen Sätze, die zum Teil profanen Bemerkungen, das ist schon speziell und ringt mir im Nachhinein Respekt ab, obwohl ich mir beim Lesen einen ganz anderen Stil gewünscht hätte. Strittmatters Dorfidylle zum Beispiel. In Worten und in Eindrücken baden, Bilder erstehen lassen usw. Aber das war ja nicht Deine Absicht. Es hätte auch die Figuren plastischer und unterscheidbarer gemacht über die Jahrhunderte hinweg, aber es hätte wohl auch den Rahmen gesprengt. Also ist es so, wie es ist, wohl richtig. Trotzdem bleiben Strittmatter und Fühmann auf diesem Gebiet meine Helden, und der Mittelteil für sich hätte ein gutes Buch werden können, hätte dann aber sicher eine vollkommen andere Aussage gehabt.

Hintenraus endet das Buch, wie es vornerein begann: so sehr voller Probleme, dass es kein Ponyhof ist, sondern karge, bittere, märkische Erde. Wozu dieser lange, lange Mittelteil, habe ich mich immer wieder gefragt. Geduldigen Lesern wird die Antwort dann allerdings nicht vorenthalten, man braucht nur einen langen Atem. Es war schön, so durch die Jahrhunderte zu reisen, Lokalkolorit aufzusaugen, Landluft zu atmen, etwas über einen Landstrich zu erfahren, der ein wenig abseitig ist (für meinen Horizont), aber genauso tief getränkt ist mit Blut- und Boden-Geschichte wie jede andere Ecke Preußens auch, so dass es nie langweilig wird. Im Nachhinein war mir dieser mittlere Teil wichtiger, und vielleicht auch interessanter, als Deine unmittelbare Familiengeschichte. Zum Schluss hin kam ich mir eher wie ein Voyeur vor. Aber will ich einer sein? Eher nicht. Will ich mir Schuld aufladen lassen? Auch das nicht. Das hat man in der DDR ausreichend versucht, als man mir ein schlechtes Gewissen einreden wollte, weil meine Großvatergeneration Scheiße gebaut hat. Das hatte ich da schon nicht haben wollen, denn daran war ich definitiv nicht schuld gewesen. Insofern ist mir Dein Buch eine Bestätigung, dass ich mit meiner ablehnenden Haltung nicht alleine stehe, und das ist gut so. Es ist auch gut, das öfter mal öffentlich zu sagen. Insofern ist das Buch richtig. Aber ich habe in dieser Hinsicht längst Frieden mit mir selber gemacht, habe mit Fünfzig öffentlich erklärt, dass ich nur noch das mache, was mir wirklich Spaß macht, und dass man mir ansonsten den Buckel runterrutschen kann. Ich hätte auch ein paar Leichen im Keller, und habe mich gefragt, ob ich sie aufwecken soll wie Du, oder ob ich sie schlafen lasse. Du hast Deine wachgemacht, weil Du wahrscheinlich gar nicht anders konntest. Respekt! Ich lebe in Frieden, weil ich meine schlafen lasse. Die Gegenwart ist widerwärtig genug. Einerseits bodenlose Ignoranz, andererseits unmotivierter Hass, und dazwischen der komplette Irrsinn. Ich lese nach wie vor Märchen gerne, und alles, was zur Zeit abläuft, bestärkt mich darin, es auch weiterhin zu tun und auf möglichst hohe und möglichst weit entfernte Berge zu klettern.

In diesem Sinne mit den besten Grüßen,

Nils.

 

 

Ich bin überrascht, mit welch sehr interessanten, unbekannten kaum je irgendwo gelesenen Bildern Du Eindrücke, Empfindungen, Abläufe und Landschaften schilderst, einem nahe bringst und verständlich machst. Entgegen meiner eigenen glatten, herunter leiernden Sprache gelingt es Dir, sofort etwas Neues, Ungewohntes in Literatur zu verwandeln, wie man es nicht gewöhnt ist. Während Du Erinnerungen, Familiäres, eigenes und fremdes Erleben und sonderbaren Gedankengängen nachgehst , fallen Dir, wie soll man das benennen, Maximen, Lebenssichten kleine Erkenntnisse und Sinnsprüche dazwischen, dass einem vor Staunen der Mund offen steht, mal etwas unlyrisch ausgedrückt….

 

Ich habe ein solches – vielleicht zeitloses- interessantes Gemisch aus Erinnerungen, Zeitabläuften und Befindlichkeiten eigentlich noch nirgendwo gelesen, nicht bei Heinrich Mann, meinem Lieblingsautor, noch bei Grass, der ja noch aktuell ist, auch wenn er das nicht mehr ist.

 

Am Anfang fällt es schwer, mit Deiner verworrenen Familiengeschichte klarzukommen und die richtige Reihung zu finden, das sage ich aber nicht als Kritik, auch das gehört eigentlich zu Deiner Art zu schreiben. Vieles bleibt vorerst unklar, es wird sich, so denke ich, allmählich entwirren und sich ordnen. Und es macht Lust, weiter zu lesen und letztendlich den Kern zu finden. Wenn es denn den auch gibt, was ich stark annehme.

 

Also ich bin erstaunt und begeistert. Vor allem, weil ich schon lange mit mir und meiner glatten nichtssagenden Sprache hadere und manchen Versuch gemacht habe, meiner Sprache zu entrinnen, wie zum Beispiel in der Geschichte „Das Wort“. Aber mehr noch mit meinen historischen Büchleins, die ich aus den alten Akten von Golberode geschrieben habe. Ich habe dort versucht, in Ichform mich in der alten Sprache zu versuchen. Das hat mir Spaß gemacht und manches in mir selber gelockert, aber mich nicht wesentlich frei gemacht. Also deshalb schon mal meine Hochachtung.

 

Ich könnte natürlich jetzt sagen, dass sicher die Brüche in Deiner tragischen, aber auch interessanten Lebensgeschichte einen wesentlichen Anteil an dem außergewöhnlichem Umgang mit der Sprache haben. Und natürlich auch die verwirrenden Träume, die dem Alkohol geschuldet waren, oder eher zu verdanken sind. Dieses Ausbrechen aus dem glatten und soliden Leben einer Normalperson wie ich es bin. Ich bin zwar auch durch einiges gegangen, aber sicher nicht durch Dein Gemisch von Überschwang und Hölle.

 

So, nun ist es genug mit Schwärmerei, noch ein kurzes Wort zu Fehlern, zu inhaltlichen kann ich nichts sagen, zunächst, da ich noch nicht alles gelesen habe. Mit einigen Aussagen kann ich mich sicher nicht anfreunden, aber auch da muss ich erst alles gelesen haben, und ich muss ja auch nicht über alles genau so denken, wie Du. Das kann ja gar nicht sein und ist ja auch gar nicht gewollt.

Es gibt eine ganze Reihe kleiner Fehler bei falschen oder fehlenden Endbuchstaben. Aber die auszumerzen ist eine Hundearbeit, weil man gerade diese falschen Endbuchstaben einfach überliest. Wer das machen sollte, weiß ich nicht. Gibt es dazu einen Lektor? Es sind ja nur Faselfehler, nichts Wichtiges.

 

Hach, nun bleibt mir nur, Dir zu gratulieren für Deine Art zu schreiben. Ich bin begeistert. Ob ich es am Ende vom Inhalt auch sein werde, sei jetzt mal dahin gestellt. Ich kann mich jedenfalls nicht an Dir messen. Da ist meine Sprache zu glatt und unneugierig.

 

Liebe Grüße von der Karin aus der Provinz

 

 

 

Gesendet von SuitBert.

Eisleben, 24. Januar 2015. Ich erlebe das Ende einer Verlags GmbH, meines Verlages. Das Ende eines Bücherfreundes. Das Ende? Der Bücherfreund geht, aber er gibt nicht auf. In den Räumen sieht es wüst aus, wie nach einem vandalistischen Einbruch. Leere Regale, alles rausgeräumt, der Boden bedeckt mit Massen von neuen Büchern. Gerettetes in Kisten, gestapelt auf dem Boden. Ein ganzes Lager, geordnete Kolonnen, die schweigend auf den Vernichter, den Schredder warten, der in zwei Tagen kommt. Büchervernichtung. Welch ein dunkles Zeichen im funkelnden Kosmos der Kultur. Eine Stimme, eine Saatfurche weniger. Ein Hundertfaches an Schweigen mehr. Das reiszen die Groszen des Geschäfts mit der Literatur nicht raus. Inhaber von Monokulturen des Geschmacks, den man auf Schreibeakademien erlernt wie das Ackern mit Traktoren. Lauter Agroliteratur. Ausgelaugter Boden, Überdüngung des Geschmacks. Vereinheitlichung der Ernte wie bei Mais oder Weizen. Zuchterfolge. Abgeerntete, kahle übersäuerte Felder danach. Buchstabengentechnik. – Wo immer die Gründe für das Versagen liegen mögen, die einen Verlag zur Aufgabe zwingen, es ist ein Zeichen von fortschreitender kultureller Kachexie in bläulicher Atemnot und mühsam abgehustetem Auswurf. Der Arzt sagt: Finalstadium, allenfalls Sedierung. Und Vorsicht vor Kontakten. Eine Epidemie? Dann legt die Schutzanzüge an! Desinfektion! Desinfektion! Heilung in einem besseren Klima? Zauberberge? Wunderwirksame Bekenntnisse? Nichts davon. Das Klima stimmt nicht. Die Saat und ihre Früchte werden dort, wo sie noch aufgegangen sind, halbreif mit gewaltigen Erntemaschinen namens Long- und Short-Lists oder anderen Preisrobotern eingeholt. Zurück bleiben kahle Flächen voller Abraum, untergepflügt, vergüllt. Wo bleibt der Regen? Die Themen trocknen aus. Genetisch manipulierte Hypes, fickbare sterile Moden, eingedampft zu Weihrauch vor den Altären des festlichen Betriebs. Die Messen voll geschickt verpackt präsentierter Produkte strotzen von gepriesenen Normerzeugnissen. Fern, sehr fern steht der staunende, verschmutzte Bauer in den Feldern seines literarischen Kleinbetriebs, dieser um seine innere Stimmigkeit ringende Bücheranbauer, der es nicht auf die groszen Märkte schafft, aber eine Kundschaft hat, an die er gute Dinge verkauft. Er lebt. Ein Ideal? Hochjubelei des nahen, vertrauten Marktes? Vergrünung des Verdorrenden? Fantasien von Dennoch und Widerstand? – Vergessen wir solche verschrägten Attitüden. Ein Bauer sieht seinem Ende zu. Ich bin traurig über einen Verlust. Eine Feldfläche weniger. Da sind noch Säcke voll Saatgut. Er schleppt sie fort. Wo geht er hin? Wo ist sein Hoffnungsacker? Er gibt nicht auf. Ein Bild: er steht da zwischen den geleerten Regalen wie ein besiegter König, der seine Krone nicht hergibt. Kein Unterlegener. Eher ein Aufersteher, ein Widerständler, ein So-stehe-ich-hier-ich-kann-nicht-anders. Ein anhaltinischer Kohlhaas. Verpfändete Druckmaschinen, verpackt für den Abtransport, Inventar von Büros und Geschäft, überall Entleerung, Zeichen von Hoffnungslosigkeit und Aufgebenmüssen, Reste von Büchern, wirklich schönen Büchern. Ein letztes Mahl. Coffee to go, McDonalds-Tüten, Cola light. Alles im Stehen. Dann ist Schluss. – Ich habe den Rest meiner Bücher eingepackt. Es ist kalt. Ich fahre los. Auf der Autobahn beginnt es zu schneien. Die Lichter blenden. Meine Auge schmerzen. Nachrichten. Wieder Hunderte von Toten. Kindersoldaten. Verschleppte Frauen. Was bewirken Bücher? Wozu das Gedicht? Die Strasze wird langsam weisz. Blinkende Streufahrzeuge. Salz klirrt an das Auto. Ich erschrecke. Im Kofferraum liegen meine Bücher. Ich habe über ein paar unwichtige Dinge geschrieben. Die muss ich nach Hause bringen. Der Kohlhaas aus Eisleben hat sie gedruckt. Nun werde ich die Reste irgendwo unterstellen. Und weiter? Wie soll ich wissen, wohin sie gehen, wenn ich nicht weisz, woher sie kamen? Mein Sehvermögen ist begrenzt. Vergangene Ideale. Gegenwärtige Unzulänglichkeiten. Zukünftige Fragestellungen. Wie kann man da weiterkommen? Aber das Schreiben und das Veröffentlichen geht weiter. Es ist etwas, was nicht zu unterdrücken ist. Das verselbstete Selbst. Daran halte ich fest. Mitten in dessen Auflösung.

 

 

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